Polypille: Herzinfarkt und Schlaganfall vermeiden

18.12.2013
Foto: Tablette

In Deutschland erleiden geschätzt mehr als 25.000 Menschen einen Schlaganfall oder Herzinfarkt aufgrund falscher Medikamenteneinnahme. Die Polypille könnte hier Abhilfe schaffen; © panthermedia.net/mt kang

Nehmen Patienten Medikamente gegen Bluthochdruck, erhöhtes Cholesterin oder Durchblutungsstörungen nur unregelmäßig oder nicht dauerhaft ein, steigt ihr Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt stark an. Eine „Polypille“ kann sie in der Therapie unterstützen und die Behandlung sicherer machen.

Jedes Jahr erleiden in Deutschland rund 280 000 Menschen einen Herzinfarkt, und etwa ebenso viele haben einen Schlaganfall. Häufige Ursachen sind ein zu hoher Blutdruck, erhöhtes Cholesterin und Durchblutungsstörungen aufgrund von Arteriosklerose. Leiden Patienten gleich unter allen drei Erkrankungen, müssen sie eine Vielzahl von Medikamenten einnehmen. Dies erhöht jedoch die Gefahr, einzelne Arzneien unregelmäßig, nicht dauerhaft zu nehmen oder gar zu vergessen.

Beobachtungen aus der Praxis zeigen: Je mehr Medikamente verordnet werden, desto weniger befolgen die Patienten die entsprechenden Therapievorgaben, da sie häufig überfordert sind. „Wir schätzen, dass daher in Europa etwa neun Prozent aller auftretenden Schlaganfälle und Herzinfarkte durch falsch oder zu selten eingenommene Medikamente verursacht werden“, erklärt Prof. Peter Baumgart, Chefarzt der Klinik Innere Medizin I am Clemenshospital in Münster. „Für Deutschland bedeutet dies: Über 25 000 Menschen erleiden einen Schlaganfall oder Herzinfarkt, weil sie ihre Medikamente nicht therapiegerecht einnehmen.“

Reduziert man hingegen die Anzahl der Medikamente, steigt die Therapietreue an, wie Untersuchungen zeigen. „Die Kombination mehrerer Substanzen in einer Tablette kann also das Risiko für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, schwere Folgeschäden zu erleiden, deutlich reduzieren“, betont Dr. Siegfried Eckert, Kongresspräsident des 37. wissenschaftlichen Kongresses der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL. So setzen Hypertensiologen immer mehr auf die sogenannte „Polypille“ – eine Tablette, in der mehrere Medikamente enthalten sind.

Bislang gab es für Bluthochdruck-Patienten Polypillen mit einer Kombination aus zwei oder drei blutdrucksenkenden Substanzen. „Neu sind Polypillen, die zusätzlich zu den Blutdrucksenkern fettsenkende und gefäßschützende Medikamente enthalten. Menschen mit Herzinfarkten, Schlaganfällen und schweren arteriosklerotisch bedingten Erkrankungen müssen so nur eine einzige Tablette einnehmen“, so Eckert.

Das wichtigste Therapieziel ist, die Folgen des Bluthochdrucks zu verhindern. „Obwohl die Polypille dies sicherlich erfüllt, müssen noch weitere Studien folgen, um diese als Standard-Therapie einsetzen zu können“, führt Prof. Hermann Pavenstädt, ebenfalls Kongresspräsident, aus. „Denn bislang ist noch unklar, wie man mit einer solchen Pille einzelne Substanzen individuell dosieren kann, um bestimmte Zielwerte zu erreichen.“

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL