Herzklappen-Innovationen: Katheter-Alternativen zur Operation

Die Implantation künstlicher Aortenklappen als Herzkathetereingriff (TAVI) ist eine Erfolgsgeschichte. Von der neuen Technik profitieren vor allem ältere Menschen, denen nun eine Klappenprothese eingesetzt werden kann, ohne dass dafür eine offene Operation an der Herz-Lungenmaschine erforderlich wird.

04.04.2016

 
Foto: Herz

Die Mitralklappe, zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer, ist hohem Druck ausgesetzt ist. Defekte treten häufig auf. Die Repratur mittels MitraClip erweist sich als sicher und wirksam; ©panthermedia.net/Sebastian Kaulitzki

"Die Behandlung der Mitralklappe ist nach wie vor eine Domäne der Herzchirurgie. Die minimalinvasive Korrektur solcher Defekte über den Herzkatheter steckt generell noch in den Anfängen. Ein Katheter-Eingriff ist aber durchaus schon zum Standard geworden, nämlich der MitraClip", sagt Prof. Malte Kelm (Universitätsklinikum Düsseldorf) auf der 82. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK).

Die Mitralklappe zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer verhindert, dass während der Kontraktion des Herzmuskels (Systole) Blut aus der Kammer in den Vorhof zurückfließen kann. Da diese Klappe hohem Druck ausgesetzt ist, sind Defekte häufig. Die Klappenreparatur mittels Clip könne heute als wirksam und sicher bezeichnet werden, so Kelm: "Aus der Studie EVEREST II liegen bereits Fünf-Jahresdaten vor. Sie zeigen, dass die Überlebensrate mit dem MitraClip genau gleich mit jener nach chirurgischer Reparatur der Klappe ist."

Die Studie belegt aber auch, dass bei rund einem Fünftel der Patienten mit MitraClip im weiteren Verlauf doch eine Operation erforderlich wird. "Die meisten Re-Operationen in der EVEREST II-Studie wurden in den ersten sechs Monaten fällig, die Clips wurden also nicht optimal gesetzt. Das hat damit zu tun, dass die Technik zu dieser Zeit noch relativ jung war und viele Zentren damit noch wenig Erfahrung hatten. Das hat sich inzwischen wesentlich geändert, wobei auch die Weiterentwicklung in der Bildgebung einen wichtigen Beitrag geleistet hat", so Kelm, "In unserem klinischen Alltag liegen die Erfolgsraten mit dem Clip bei 90 bis 95 Prozent. Auch in der EVEREST-Studie wurden diese Probleme nur in der Anfangsphase gesehen, danach blieb der Clip stabil. Mittlerweile konnte eine gesundheitsökonomische Analyse zeigen, dass der Einsatz des MitraClip im Vergleich zu einer rein konservativen Therapie kosteneffektiv ist."

In einer ganzen Serie von weiteren Studien sollen nun offenen Fragen geklärt werden. Beispielsweise wird in der MATTERHORN-Studie der Vergleich zwischen Clip und Chirurgie bei deutlich herzkranken Patienten durchgeführt. In der ReShape-Studie wird der Einsatz des Clips bei schwerstkranken Patienten untersucht, die für eine chirurgische Reparatur der Klappe überhaupt nicht mehr in Frage kommen.

Ein weitgehend neues Betätigungsfeld für die interventionelle Kardiologie ist die interventionelle direkte Annuloplastie, also die Reparatur des Klappenrings. Diese wird erforderlich, wenn es im Rahmen einer Herzinsuffizienz zu einer so massiven Vergrößerung der Herzkammer kommt, dass die Basis der Klappe praktisch auseinandergezogen wird. Im Rahmen der interventionellen direkten Annuloplastie wird ein künstlicher Ring an den Herzmuskel angenäht und damit die Basis der Klappe wieder auf eine physiologische Größe zusammengezogen. Kelm: "Die interventionelle direkte Annuloplastie wurde bislang an einer relativ kleinen Gruppe sehr kranker Patienten erprobt, mit angesichts des schlechten Zustands der Patienten sehr guten Ergebnissen. Interventionell implantierbare komplette Mitralklappen nach dem Vorbild der TAVI befinden sich in experimentellen Stadien."

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung

Mehr über die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufstörung unter: dgk.org