Herzklappenersatz: Frauen profitieren von innovativer Technik besonders

20.04.2017

Am offenen Herzen implantierte Herzklappen funktionieren bei Frauen schlechter als bei Männern. Eine neue Studie der Uniklinik Köln weist jetzt nach, dass bei der Katheter-gestützten Aortenklappenimplantation keine geschlechtsspezifischen Unterschiede bei Komplikationsraten und OP-Resultaten auftreten.

Bild: Frau ohne sichtbaren Kopf greift sich ans Herz. Sie trägt eine weiße Bluse; Copyright: panthermedia.net/Kzenon

Frauen und Männer reagieren auf Therapiemethoden oftmals unterschiedlich; © panthermedia.net/Kzenon

Dass Frauen bei Herzleiden mitunter andere Symptome zeigen als Männer, ist mittlerweile schon aufgrund der verstärkten gendermedizinischen Betrachtungsweise weitgehend bekannt. Schon weniger geläufig ist, dass die Geschlechter auch unterschiedlich ausgeprägt von verschiedenen Therapieverfahren profitieren. So gilt es als erwiesen, dass Frauen nach einer konventionellen Aortenklappen-Operation eine schlechtere Prognose haben als Männer.

Noch wenige Informationen gibt es zur Frage, ob es auch bei der Transkatheter-Aortenklappenimplantation (Transcatheter Aortic Valve Implantation, TAVI) geschlechtsspezifische Ergebnisse gibt. Bei diesem minimal-invasiven Verfahren wird die neue Aortenklappe nicht bei geöffnetem Brustkorb, sondern mittels eines durch die Arterien geschobenen Katheters am schlagenden Herzen eingebracht.

Wie aktuelle Untersuchungen jetzt zeigen, könnten Frauen von dieser innovativen Technik noch stärker profitieren als Männer: "Auch wenn der Einfluss des Geschlechts auf Komplikationen und Langzeitprognose noch Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion ist, zeigen aktuelle Meta-Analysen eine Überlegenheit der TAVI gegenüber dem konventionellen Klappenersatz insbesondere bei Patientinnen", so Dr. Victor Mauri vom Herzzentrum an der Universitätsklinik Köln.

Eine im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) präsentierte Studie konnte diesen Trend bestätigen. 598 TAVI-Patienten wurden auf Unterschiede in Bezug auf Vorerkrankungen, Komplikationen rund um den Eingriff sowie die Auswirkungen auf die Hämodynamik untersucht.

52 Prozent der konsekutiv ausgewählten Teilnehmer waren weiblich. Zwar waren die Patientinnen zum Zeitpunkt des Eingriffs mit 82,8 Jahren durchschnittlich um zwei Jahre älter als ihre männlichen Leidensgenossen, hatten aber signifikant weniger relevante Begleiterkrankungen. So litten bei den Frauen 17 Prozent an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), bei den Männern waren es 25 Prozent. Ebenso hatten die Frauen weniger oft periphere arterielle Verschlusskrankheiten (pAVK), eine koronare Herzkrankheit (KHK) oder massiv erhöhte Cholesterinwerte. Auch bei den kardialen Werten schnitten Frauen besser ab: Mit durchschnittlich 57 Prozent lag die verbliebene Pumpleistung des Herzens (linksventrikuläre Ejektionsfraktion) deutlich höher als bei den Männern. Zudem zeigten die CT-Analysen bei Frauen eine deutlich geringere Verkalkung der Stellen, an denen die neue Herzklappe angebracht werden sollte.

Trotz unterschiedlicher Ausgangslagen waren Komplikationen und OP-Resultate bei beiden Geschlechtern vergleichbar. Gefäßbedingte Komplikationen traten bei 9,7 Prozent der Frauen und 7,7 Prozent der Männer auf. Ebenso fielen die Werte bei Blutungen und Schlaganfällen bei Männern und Frauen ähnlich aus. Neue Reizleitungsstörungen, die eine Schrittmacherimplantation notwendig machten, traten bei Frauen zwar etwas häufiger auf, allerdings waren die Unterschiede mit 13,9 versus 10,1 Prozent statistisch nicht signifikant. Bei der Krankenhausmortalität lagen Frauen mit 3,5 Prozent sogar ein wenig besser als männliche Patienten, von denen 3,8 Prozent während oder kurz nach dem Eingriff verstorben waren.

Eine in den Anfangstagen der TAVI-Technik häufig, inzwischen aber viel seltener auftretende paravalvuläre Insuffizienz trat bei Frauen öfter auf. Während bei den Männern nur in 2,7 Prozent der Fälle ein solches Leck rund um die Herzklappe festgestellt wurde, war dies bei 7,5 Prozent der Frauen der Fall. Mit ein Grund dafür könnte aber sein, dass bei weiblichen Patienten vermehrt eine selbst-expandierende Prothese eingesetzt wurde. In der Gesamtbetrachtung dürfte das Fazit der Studienautoren insbesondere Frauen Hoffnung machen: "Hinsichtlich des Geschlechts zeigten sich trotz deutlicher Unterschiede im kardiovaskulären Risikoprofil keine Unterschiede hinsichtlich periinterventioneller Komplikationen oder der Krankenhausmortalität", fasst Mauri die Ergebnisse zusammen.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.

Mehr über die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.unter: www.dgk.org