Ergebnisse der Familienforschung und historische Vergleiche entlarvten die These vom Zerfall der Familie als "modernen Mythos". Der "öffentlichen Krisendiskussion" über die Familie stehe eine "breite Zufriedenheit gegenüber", betonte Prof. Dr. Friedebert Kröger, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie.

Die Scheidungszahlen taugten kaum als Anzeichen für einen Zerfall der Familie. Die Hälfte der Scheidungen beträfen kinderlose Paare. Nur rund 14 Prozent der Kinder von Ehepaaren seien vor Erreichen der Volljährigkeit von der Scheidung der Eltern betroffen. Heute lebten mehr Kinder länger in Gemeinschaft mit ihren leiblichen Bezugspersonen als noch vor 100 Jahren.

Die Zahl der Alleinlebenden steige nicht etwa an, weil viele Menschen das langjährige Single-Leben attraktiv fänden, sondern weil sie später heirateten als ihre Eltern und weil es mehr alte Menschen gebe, deren Partner verstorben seien. Kröger bezog sich bei seinen Ausführungen unter anderem auf den Familienbericht 2005 der Bundesregierung.

"Wir können also - historisch betrachtet - von einem langfristigen Trend zur Familie sprechen und nicht von ihrem Zerfall", so Kröger. Familien und Paare hätten heute bessere Chancen auf ein gelingendes Zusammenleben über viele Jahre als früher. Kröger: "Die Familie ist nicht in einer Krise, sondern in einem beständigen Wandel".

Es gelte, sich von einigen Mythen über das Zusammenleben und über die Familie zu verabschieden, "die mehr mit der Überidealisierung von Partnerschaft und Familie, als mit der Realität zu tun haben". Diese Überidealisierung und die "ängstliche Überbewertung linearer Statistiken" - etwa in der Diskussion um die Bevölkerungsentwicklung - führten zu einer "kulturpessimistisch gefärbten Diskussion" über familiäre Leitbilder.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie