Hilfe bei schweren Depressionen

Die Mediziner hatten insgesamt zehn Patienten mit der sogenannten Magnetkrampftherapie (MKT) behandelt. Bei sechs von ihnen besserte sich der Zustand daraufhin deutlich. Besonders erfreulich: Schwerwiegende Nebenwirkungen blieben komplett aus.

Bei einer Magnetkrampftherapie bringen Mediziner am Kopf des narkotisierten Patienten zwei Spulen an. Diese erzeugen einhundert Mal pro Sekunde ein starkes Magnetfeld und lösen dadurch im Gehirn einen Krampfanfall aus. Die seit mehr als 75 Jahren eingesetzte Elektrokrampftherapie (EKT) funktioniert ähnlich. Bei ihr wird der Anfall aber durch elektrische Impulse hervorgerufen.

Bei vielen Depressiven verbessert sich nach einer EKT das Befinden – die Gründe dafür sind noch unklar. Selbst bei Kranken, die auf keine andere Behandlungsmethode ansprechen, liegt die Erfolgsquote bei 50 bis 70 Prozent. Allerdings hält diese Besserung nur bei der Hälfte von ihnen länger als sechs Monate an. Trotzdem schlägt die Methode die heute verfügbaren Medikamente ebenso um Längen wie Psycho- oder Verhaltenstherapien.

Dennoch hat die EKT ein Image-Problem. Denn sie kann unangenehme Nebenwirkungen haben. So klagt ein Drittel der Patienten über Gedächtnisstörungen. In seltenen Fällen können diese über Wochen oder sogar Monate anhalten.

Die relativ neue Magnetkrampftherapie scheint nach ersten Studien deutlich schonender zu sein. Doch ist sie auch ähnlich effektiv wie die EKT? „Wir sind dieser Frage in unserer Studie nachgegangen“, erklärt die Erstautorin der Publikation Doktor Sarah Kayser. „Dazu haben wir zwanzig schwerst depressive Patienten behandelt – zehn von ihnen per EKT, die anderen zehn per MKT.“

Bei sechs MKT-Patienten und vier EKT-Patienten verbesserte sich das Befinden daraufhin erheblich. Die Teilnehmer der EKT-Gruppe klagten jedoch nach dem Erwachen aus der Narkose häufig über Schwindel, Kopfschmerz oder Muskelschmerzen. Diese Nebenwirkungen blieben in der MKT-Gruppe gänzlich aus.

Die Ärzte untersuchten zudem, wie die beiden Behandlungsmethoden sich auf das Erinnerungsvermögen auswirkten. Dazu sollten die Probanden nach dem Erwachen aus der Narkose Namen, Alter, Wochentag und ihren Aufenthaltsort nennen. Den Teilnehmern der EKT-Gruppe gelang es im Schnitt erst nach sechs Minuten, diese Fragen korrekt zu beantworten. Bei den MKT-Patienten betrug diese Zeitspanne lediglich gut zwei Minuten; sie erholten sich also deutlich schneller. Keiner der zwanzig Studienteilnehmer litt unter länger dauernden Gedächtnisstörungen.


MEDICA.de; Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn