Bild: Kopf von hinten 
Elektroden im Hirn helfen bei
therapieresistenten Depressionen
© SXC

Bei der tiefen Hirnstimulation werden Elektroden gezielt in bestimmte Hirngebiete implantiert und über einen elektrischen Pulsgeber gereizt. Die bisherigen Untersuchungen konzentrierten sich vor allem auf zwei bestimmte Gehirnzentren.

"Wir haben dagegen eine dritte Region stimuliert, den so genannten Nucleus accumbens", erklärt der Bonner Psychiatrie-Professor Thomas E. Schläpfer, der die Studie zusammen mit seinem Kollegen Professor Dr. Volker Sturm vom Uniklinikum Köln geleitet hat. Der Nucleus accumbens ist ein wichtiger Teil des so genannten "Belohnungssystems".

Die Mediziner berichten in ihrer Studie über zwei Männer und eine Frau, die bereits seit vielen Jahren unter schwersten Depressionen litten. Die Forscher implantierten Elektroden in den Nucleus accumbens, die sie über einen elektrischen Pulsgeber in der Brust reizen konnten.

Der Effekt war teilweise sofort spürbar: "Einer der Patienten äußerte schon eine Minute nach Beginn der Stimulation den Wunsch, den Kölner Dom zu besteigen, und setzte ihn am nächsten Tag in die Tat um", sagt Schläpfer. "Ganz ähnlich die behandelte Frau: Sie sagte, es würde ihr wieder Spaß machen, Kegeln zu gehen." Eine direkte Aufhellung ihrer Stimmung verspürten die Patienten dagegen nicht. Sie konnten auch nicht sagen, ob der Pulsgeber an- oder ausgeschaltet war.

In den ersten Tagen der tiefen Hirnstimulation verbesserten sich die Depressionssymptome bei zwei der drei Patienten deutlich. Ihr Zustand blieb konstant, solange die Behandlung lief. Sobald der Pulsgeber ausgeschaltet wurde, kehrte die Depression jedoch mit voller Macht zurück.

"Die wieder aufgetretenen Symptome waren so belastend, dass wir es ethisch nicht vertreten konnten, die Behandlung so lange wie ursprünglich geplant auszusetzen", betont Professor Schläpfer. Die Forscher warnen angesichts der kleinen Fallzahl allerdings vor übertriebenen Hoffnungen.

MEDICA.de; Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn