Die Lebenszeitprävalenz für Essstörungen liegt bei rund 0,6 Prozent bei der Anorexia nervosa und 1,0 Prozent für die Bulimia nervosa. Das Risiko ist bei Frauen etwa drei Mal so hoch wie bei Männern und die meisten Betroffenen erkranken zwischen dem 18. und 21. Lebensjahr. Nur selten benennen Patienten beim Hausarzt ihre Probleme. Nachgewiesen ist zudem, dass eine spezielle Behandlung das Rückfallrisiko senken kann. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass Allgemein- und Hausärzte eine solche Erkrankung bei einem Patienten oder einer Patientin erkennen, um sie zu einer geeigneten Therapie zu überweisen.

Amerikanische Wissenschaftler haben nun zusammen getragen, was man auf der Basis gesicherten Wissens sagen kann:

Bei jedem gefährdeten Patienten sollte man eine Essstörung in Betracht ziehen. Typische Symptome, mit denen sich solche Patienten beim Arzt melden sind unter anderem Müdigkeit, Schwindel, Amenorrhoe, Gewichtsverlust oder Gewichtszuwachs, Verstopfung, Bauchschmerzen, Sodbrennen und Schlaflosigkeit. Bei den meisten Betroffenen ergibt die klinische Untersuchung mitunter keinen eindeutigen Hinweis, obwohl man Patienten eine lang andauernde Essstörung häufig selbst bei Normalgewicht ansieht: eingefallene Wangen und blassgelbe Haut können darauf hinweisen.

Wenn es doch klinische Hinweise gibt, dann meist folgende: Bradykardie, Hypotonie, Hypothermie oder orthostatische Probleme. Untersucht man einen Patienten näher, findet man nicht selten glanzloses Haar, trockene Haut, Veränderungen der Fingernägel oder subkonjunktivale Hämorrhagien.

Es lohnt sich auch, den Kopfbereich genauer zu untersuchen: eingefallene Augenhöhlen, trockene und spröde Lippen, eine Gingivitis sowie andere Zahnprobleme wie Karies und eine Parotitis können Zeichen einer Essstörung sein.

MEDICA.de; Quelle: American Family Physician 2008, Vol. 77, S. 187-195