Frühgeborene: Hirnblutungsrate reduzieren

23.07.2013
Foto: Frühgeborenes

Frühgeborenenstation Universitäts-
klinikum Ulm; © Universitätsklinikum Ulm

Eine Arbeitsgruppe der Ulmer Universitätsmedizin hat ein Überwachungsprogramm und Maßnahmenpaket zur Reduzierung der Hirnblutungsrate bei Frühgeborenen entwickelt.

„Die wichtigste Schlussfolgerung unserer sehr praxisorientierten Forschungsarbeit ist, dass bei einer vorausschauenden und konsequenten Überwachung von Risikofaktoren die Hirnblutungsrate bei Frühgeborenen erheblich gesenkt werden kann“, sagt Prof. Helmut Hummler, Leiter der Sektion Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin an der Klinik- für Kinder- und Jugendmedizin.

Die Ausgangslage: In den zurückliegenden Jahrzehnten sind die Überlebenschancen von sehr unreifen Frühgeborenen deutlich gestiegen. Vor allem bei diesen Kindern kann es jedoch Komplikationen geben. Besonders bedeutsam ist hier die „intraventrikuläre Hirnblutung“ (IVH). Sie ist ein spezifisches Problem bei sehr unreifen Frühgeborenen und führt zu erheblichen und dauerhaften Hirnschädigungen, die sich unter Umständen als schwere Behinderung ausdrückt. Professor Hummler spricht in diesem Zusammenhang von Morbidität, also der Krankheitshäufigkeit auf eine bestimmte Bevölkerungsgruppe bezogen (in diesem Fall Frühgeborene). „IVH hat uns keine Ruhe gelassen, denn natürlich sehen sich Perinatalzentren weltweit mit dieser lebensbedrohlichen Komplikation konfrontiert. Deshalb haben wir in Ulm vor rund drei Jahren begonnen, zunächst eigenes Datenmaterial auszuwerten und im zweiten Schritt Strategien für die Praxis zu entwickeln, die mithelfen können, die Gesundheit und das Leben der Frühgeborenen zu retten“, so Professor Hummler.

„In der vergleichenden Auswertung der baden-württembergischen Neonatalerhebung schneiden wir mit einer Gesamtsterberate aller in der Kinderklinik behandelten Neugeborener von 1,44 % zu im Durchschnitt 7,15 % zwar sehr gut ab, doch unsere (niedrige) IVH-Rate entsprach ,nur’ dem, was auch die einschlägige Literatur angibt“, führt Dr. Manuel Schmid, Oberarzt der Sektion Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin, aus und ergänzt: „Wir wollten noch besser werden.“

Vor dem Hintergrund dieses Vorhabens gründete sich die „IVH-Arbeitsgruppe“, der neben Hummler auch Dr. Frank Reister, Leiter der Sektion Geburtshilfe an der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Universitätsklinikums Ulm, und zahlreiche Ober- sowie Assistenzärzte und Pflegekräfte angehören. Ziel: Alle Aspekte beleuchten, die zu den Hirnblutungen beigetragen haben könnten. „Es zeigt sich schon jetzt, dass wir unsere ohnehin niedrige Hirnblutungsrate bei Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht < 1500g nach Etablierung unserer Maßnahmen nochmals fast halbieren konnten – sie sank von 22,1 % auf 10,5 %“, bilanziert Hummler. Für ihn steht somit fest, dass IVH bei extrem unreifen Frühgeborenen nicht notwendigerweise ein unvermeidbares, schicksalhaftes Ereignis ist.

„Entscheidend ist der konsequente Blick auf die Gesamtheit aller möglichen Stolpersteine und die regelmäßige Beschäftigung mit dem Problem IVH, fasst er zusammen. „Das geht nur mit gut zusammenarbeitenden und interdisziplinär besetzten Teams, die zudem aufgrund hoher Fallzahlen sehr erfahren sind.“

Das Fazit der IVH-Arbeitsgruppe: Falls sich die Ergebnisse der Ulmer Arbeitsgruppe auf ganz Deutschland umsetzen lassen, könnten jedes Jahr viele Behinderungen verhindert werden und mehr sehr unreife Frühgeborene gesund überleben.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Ulm