Hirnforscher entdecken neue Möglichkeiten des Spracherwerbs nach Schlaganfall

Foto: Frau mit Hand vor dem Mund

Viele Patienten müssen das Sprechen
nach einem Schlaganfall neu erlernen;
© panthermedia.net/JCB Prod

Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass man auch durch Hirnstimulation von nicht klassischen Spracharealen, wie zum Beispiel dem motorischen Kortex, Spracherwerb entscheidend beeinflussen kann.

So stellte sich heraus, dass etwa der motorische Kortex nicht nur Bewegungen kontrolliert, sondern auch am Verarbeiten und Erlernen von bestimmten Sprachaspekten beteiligt ist. Das bedeutet konkret: Liest oder hört man ein bewegungsassoziiertes Verb wie treten oder rennen oder erlernt es, wird neben dem Sprachzentrum auch das motorische Beinareal aktiviert.

Inwiefern der motorische Kortex beim (Wieder-)Erlernen von Sprache beteiligt, untersuchten die Wissenschaftler, indem sie 63 Probanden einem Sprachlernparadigma unterzogen. Bei diesem "Sprachspiel" sollten die Testpersonen innerhalb von vier Trainingseinheiten die Verknüpfung von ‚Fantasiewörtern’ mit der Bedeutung von Bildern aus dem Bereich Bewegung erlernen und einprägen. Dabei wurde bei einem Teil der Probanden der motorische Kortex der linken Gehirnhälfte mittels nichtinvasiver Hirnstimulation gehemmt.

Das Ergebnis: Die Testpersonen, bei denen der motorische Kortex gestört wurde, erlernten die Bedeutung der Fantasiewörter deutlich schlechter als diejenigen ohne Hirnstimulation. Dies führt die Wissenschaftler zu der vielversprechenden Hypothese, dass aktivierende Beeinflussung des motorischen Kortex durch Hirnstimulation auch Sprach(wieder)erwerb erheblich fördern könnte. Die Studienergebnisse bieten die Chance, bestehende Konzepte des Spracherwerbs weiter zu optimieren und innovative interventionelle Strategien zu entwickeln. Denkbar wäre beispielsweise nach Schlaganfällen, die klassische Sprachareale zerstörten, die Verbindung zwischen motorischen und sprachlichen Arealen durch Hirnstimulation zu fördern und damit Rehabilitationsmaßnahmen zum Wiedererwerb von Sprache zu unterstützen. Auf diese Weise könnten Sprachdefizite schneller beseitigt und damit die Lebensqualität von Patienten erheblich verbessert werden.


MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf