Bild: Ein Sudoku-Rätsel 
Hirnjogging hält die grauen
Zellen auf Trab; © Pixelio.de

Alzheimer-Patienten verlieren immer mehr Erinnerungen, weil immer mehr Nervenzellen im Gehirn absterben. Im Verlauf der Erkrankung gehen Erinnerungen aber nicht unbedingt gleich für immer verloren, sie werden für das Bewusstsein unerreichbar, weil die Nervenverbindungen zu den Speicherorten untergehen. "Andere Nerven können die Kontakte übernehmen, wenn man ihnen dabei hilft", sagt André Fischer, Leiter der Nachwuchsgruppe Experimentelle Neuropathologie am European Neuroscience Institute Göttingen.

In einer Untersuchung setzte Dr. Fischer erwachsene Mäuse, nachdem sie sechs Wochen mit dem Eiweiß p25 behandelt worden waren, das für die typischen Merkmale der Alzheimerschen Krankheit wie Abbau von Nervenzellen und Eiweiß-Ablagerungen sorgt, für vier Wochen in eine bereichernde Umwelt mit viel "Mäuse-Spielzeug" und verstecktem Futter.

Bei gleich bleibend geringer Hirnmasse verbesserten sich das räumliche Orientierungsvermögen und die Fähigkeit geistige Verknüpfungen herzustellen bei den Mäusen deutlich im Vergleich zu den Artgenossen in langweiliger Standard-Unterbringung.

Die Nager in abwechslungsreicher Umgebung begannen sogar, sich an Dinge zu erinnern, die sie längst vergessen hatten. Biochemische Untersuchungen zeigten, dass im Gehirn der intellektuell geförderten Mäuse mehr Nervenfortsätze, Dendriten, und Synapsen in den betroffenen Hirnregionen vorhanden waren. Es gab Anzeichen dafür, dass dieser Effekt auf der Aktivierung von Nerven- und Synapsen-typischen Genen beruhte.

Eine Aktivierung von bestimmten Gen-Familien lässt sich auch mit Hilfe bestimmter chemischer Substanzen erreichen, wie etwa der Histon-Deacetylasen (HDACs). Einmal täglich erhielten in einem weiteren Versuch gesunde und bereits erkrankte Mäuse entsprechende Substanzen.

Alle behandelten Versuchsgruppen steigerten ihr Lernverhalten deutlich gegenüber unbehandelten Tieren. Auch durch die HDAC-Inhibitoren konnten die Alzheimer-Mäuse längst vergessenes Wissen reaktivieren. Auf molekularer Ebene bestätigten die Erfolge mit den HDAC-Inhibitoren ebenfalls die Hirnjogging-Ergebnisse mit den Spiel-Mäusen.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsmedizin Göttingen - Georg-August-Universität