Hirntumoren bei Kindern bekämpfen

Foto: Hirntumor

Den Wissenschaftlern gelang es,
das Wachstum von Medullo-
blastomzellen über FoxM1
medikamentös zu unterdrücken;
© Deutsche Krebshilfe

Denn den Forschern gelang es, das krebsfördernde Eiweiß medikamentös zu unterdrücken und so das Tumorwachstum zu hemmen. Was für verschiedene Krebsarten – wie etwa Brustkrebs, Lungenkrebs oder Prostatakrebs – gilt, haben die Forscher um Doktor Ulrich Schüller von der LMU nun auch für kindliche Hirntumoren nachgewiesen: Um zu wachsen, benötigt das Medulloblastom ein spezielles Eiweiß mit dem wissenschaftlichen Namen FoxM1. Das Eiweiß gehört zur Gruppe der Transkriptionsfaktoren – diese Proteine steuern die Umsetzung der im Erbgut enthaltenen Informationen. Beim gesunden Menschen steuert FoxM1 das Zellwachstum, indem es die entsprechenden Gene bei Bedarf an- und wieder ausschaltet. Bei Krebszellen ist dieses System jedoch außer Kontrolle geraten – FoxM1 ist permanent aktiv und die bösartigen Zellen vermehren sich ungehindert.

Da FoxM1 für das Wachstum der Tumorzellen verantwortlich ist, stellt das Eiweiß einen Ansatzpunkt für neue Therapien dar. Den Wissenschaftlern gelang es, das Wachstum von Medulloblastomzellen über FoxM1 medikamentös zu unterdrücken. Zudem blockierten die Forscher FoxM1 nur in Krebszellen – gesunde Zellen wurden nicht beeinträchtigt. „Mit Hilfe dieser Erkenntnisse können wir möglicherweise direkt in die Mechanismen der Tumorentstehung eingreifen und Medulloblastome gezielt zerstören“, erläutert Schüller.

FoxM1 eignet sich schon jetzt dazu, die Aggressivität eines Medulloblastoms zu bestimmen: Je größer die Menge des Eiweißes in den Krebszellen ist, desto schwerer verläuft die Erkrankung. Die Erkenntnisse spielen auch bei der Wahl der richtigen Therapie eine wichtige Rolle: „Moderne Behandlungskonzepte kombinieren die chirurgische Tumorentfernung mit Chemo- und Strahlentherapien. Diese sind aber teilweise mit schweren Nebenwirkungen verbunden. Mit Hilfe von FoxM1 als Diagnosehilfe können wir zukünftig die Art der Behandlung individueller an den Patienten anpassen“, so Schüller weiter.

„Ziel der von der Deutschen Krebshilfe geförderten Forschungsprojekte ist es, innovative Strategien zur Bekämpfung von Tumor-Erkrankungen zu entwickeln“, betont Gerd Nettekoven von der Deutschen Krebshilfe. „Dabei ist es besonders wichtig, dass die neu gewonnenen Erkenntnisse rasch aus dem Labor in die klinische Anwendung überführt werden, damit sie schnellstmöglich den Betroffenen zu Gute kommen.“

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Krebshilfe