Seit dem Vietnam-Krieg hat die US-amerikanische Militärmedizin deutliche Fortschritte gemacht. Das berichtete jetzt Militärarzt Colonel Paul Cordts auf dem 92nd annual clinical congress des American College of Surgeons, nachdem er von einer Inspektionsreise aus dem Irak und Afghanistan zurück gekommen war.

Die meisten Soldaten, die im Kampf verwundet werden, sind Opfer so genannter „improvised explosive devices (IEDs)“, also selbst gebauter Bomben und Sprengkörper Aufständischer in den beiden umkämpften Ländern. Allerdings hat sich die Zahl der Soldaten, die an solchen Verletzungen sterben, seit dem Vietnam-Krieg deutlich verringert. Dies kann man an der „case fatality rate (CFR)” ersehen: Das ist jene Rate der Soldaten, die mit offenen Wunden in das Feldlazarett eingeliefert werden und dann an ihren Wunden sterben. Diese CFR lag im Vietnam-Krieg noch bei 15,8 Prozent und sank im Irak auf 9,1 Prozent.

Der vermehrte Einsatz von Hochgeschwindigkeitsgeschossen auch bei Aufständischen in Afghanistan und Irak hat die Qualität der Wunden deutlich verändert, allerdings zum Schlechteren, wie der Militärarzt bei dem Chirurgenkongress verdeutlichte. Während herkömmliche Geschosse das menschliche Gewebe in einem einfachen Flugkanal durchdringen, hinterlassen Hochgeschwindigkeitsgeschosse einen kegelförmigen Verletzungstrichter im Gewebe. Dies erklärt, warum Hochgeschwindigkeitsgeschosse eine so zerstörerische Wirkung auf Blutgefäße und Nerven haben.

Offensichtlich werden US-Soldaten oft am Hals verletzt, da die Schusswesten einen gewissen Schutz bieten. Knochensplitter dringen dann in das Gewebe ein, was gefährlich werden kann. Die Computertomographie hat sich nach Aussagen von Dr. Cordts als wichtiges bildgebendes Hilfsmittel im Feldlazarett erwiesen, kann aber eingedrungene Knochensplitter im Halsbereich nur unzureichend kenntlich machen.

MEDICA.de; Quelle: ACS 92nd Annual Clinical Congress Session SP05-VAS 1