Hodgkin-Patienten im mittleren Stadium

Das erfolgreichere Therapiekonzept wird in der Folgestudie HD-17 als neue Standardtherapie verankert.

In ihrer früheren HD-8 Studie hatte die Forschergruppe bei Hodgkin-Patienten im mittleren Stadium durch einen kombinierten Therapieansatz bestehend aus einer Chemotherapie mit vier Zyklen ABVD (Adriamycin, Bleomycin, Vinblastin, Dacarbacin) und einer 30 Gy Involved-Field-Radiotherapie, eine Behandlung, bei der nur die vom Lymphom betroffenen Körperregionen bestrahlt werden, Gesamtüberlebensraten von 91 Prozent erzielt. In der Nachbeobachtungszeit hielt der Therapieerfolg bei 83 Prozent der Patienten über fünf Jahre an (Freedom from Treatment Failure = FFTF), die Therapie versagte jedoch bei 17 Prozent der Patienten.

In der aktuell vorgestellten HD-14-Studie wurde untersucht, ob durch die frühzeitige Intensivierung der chemotherapeutischen Behandlung (Stadium I A, I B oder II A mit einem oder mehreren Risikofaktoren bzw. Stadium II B mit bestimmten Risikofaktoren) bessere Ergebnisse erzielt werden können als mit der Standardtherapie. Insgesamt wurden 1655 Patienten zufällig zwei verschiedenen Behandlungsgruppen zugeteilt. Als Chemotherapie erhielten sie entweder vier Zyklen ABVD (Standardarm) oder zwei Zyklen BEACOPP eskaliert (Bleomycin, Etoposid, Doxorubicin, Cyclophosphamid, Vincristin, Procarbazin und Prednison) gefolgt von zwei Zyklen ABVD (experimenteller Arm). Anschließend wurden die vom Lymphom betroffenen Körperregionen aller Patienten durch eine Involved Field Radiotherapie mit 30 Gy bestrahlt.

In beiden Behandlungsgruppen sprachen zunächst 95 Prozent der Patienten auf die Therapie an. Mit einer medianen Beobachtungszeit von 42,4 Monaten (3,5 Jahre) wurde dann analysiert, in welcher Behandlungsgruppe es über vier Jahre häufiger zum Therapieversagen kommt, beziehungsweise es wurde die Zeitspanne gemessen, in der diese Formen des Therapieversagens nicht aufgetreten sind.

Es zeigte sich, dass die FFTF-Rate im Standardarm mit 89,3 Prozent (4x ABVD) deutlich niedriger lag gegenüber 94,7 Prozent im experimentellen BEACOPP-Arm (p=0,0001) – mit der intensiveren Behandlung also mittelfristig bessere Ergebnisse erzielt wurden, als mit der bisherigen Standardtherapie. Trotz etwas höherer hämatopoetischer Nebenwirkungen gab es zwischen beiden Therapiearmen keinen Unterschied bei der behandlungsassoziierten Mortalität oder bei sekundären Neoplasien. Bezüglich des Gesamtüberlebens konnte zwischen beiden Armen noch kein Unterschied festgestellt werden.

"Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass eine frühe Intensivierung der Therapie durch die eskalierte BEACOPP-Chemotherapie bei Hodgkin-Patienten im mittleren Stadium zu einer insgesamt besseren Tumorkontrolle führt", sagte Studiengruppenleiter Professor Andreas Engert. "Die effektivere Therapie bestehend aus zwei Zyklen BEACOPP eskaliert, zwei Zyklen ABVD gefolgt von einer Involved Field Strahlentherapie mit 30 Gy stellt im Rahmen zukünftiger GHSG-Studien den neuen Behandlungsstandard für Patienten in mittleren Stadien dar."


MEDICA.de; Quelle: Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.