"Infektionen mit dem Epstein-Barr-Virus kommen weltweit relativ häufig vor. Gemessen an der großen Zahl der EBV-infizierten Menschen sind dadurch bedingte Tumoren jedoch sehr selten", erklärt Privatdozent Dr. Reinhard Zeidler, Projektleiter am Universitätsklinikum Großhadern, Arbeitsgruppe Tumorimmunologie. "Bei uns stellt das Virus vor allem für Menschen, deren Immunsystem nicht intakt oder dauerhaft geschwächt ist, ein besonderes Krebsrisiko dar." Dazu zählen AIDS- Patienten oder Menschen nach einer Organ-Transplantation.

Das Epstein-Barr-Virus (EBV) infiziert vor allem die Schleimhäute von Nase, Mund und Rachen sowie die B-Lymphozyten, eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen. Das Virus verhindert den programmierten Zelltod und setzt zudem zelleigene Eiweiße außer Kraft, die ein kontrolliertes Zellwachstum überwachen

Im Mittelpunkt der neuen Impfmethode stehen so genannte Exosomen: kleine, kugelige Gebilde, die von verschiedenen Zellarten im Körper freigesetzt werden und an der körpereigenen Immunreaktion beteiligt sind. Diesen Zusammenhang machen sich die Forscher zu Nutze: "Wir haben Exosomen gentechnologisch hergestellt, die Proteine des Virus enthalten. Werden diese von bestimmten Zellen des Abwehrsystems aufgenommen, sollen sie EBV-spezifische Immunreaktionen im Körper hervorrufen", erklärt Zeidler.

Die ersten Versuche seien sehr viel versprechend: Bei infizierten Mäusen haben die Wissenschaftler bereits eine verstärkte Immunantwort gegen das Epstein-Barr-Virus ausgelöst. Nun wollen sie prüfen, inwiefern eine Impfung mit diesen Exosomen vor einer Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus und somit vor einer möglichen Tumorentstehung schützt. "Die gentechnisch produzierten Exosomen könnten sich als sicherer, wirksamer und kontrolliert herstellbarer Impfstoff gegen EBV erweisen", so Zeidler.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Krebshilfe e. V.