Dies zeigt eine Studie der Institute für Sozial- und Präventivmedizin der Universitäten Bern und Zürich im Rahmen der "Swiss National Cohort". Sie untersuchte die Sterblichkeit der Schweizer Bevölkerung seit der Volkszählung 1990. Erstmals wurden die sozioökonomischen Unterschiede in der Lebenserwartung von Männern und Frauen in der Schweiz berechnet. Dabei wurden vier Bildungskategorien verglichen: Obligatorische Schulzeit, Berufslehre, höhere sekundäre Bildung (Matura, Lehrerseminar, Höhere Fachausbildungen, Technikum usw.) und universitäre Ausbildung.

Im Alter von 30 Jahren ergibt sich bei der Lebenserwartung von Männern der höchsten und der tiefsten Bildungsstufe eine Differenz von 7.1 Jahren. Im Alter von 65 Jahren beträgt die Differenz noch 3.5 Jahre.

Die Studie zeigt bei den Frauen grundsätzlich die gleichen Tendenzen: Wer eine bessere Bildung genießen konnte, hat eine höhere Lebenserwartung. Der Unterschied zwischen den Frauen mit einer universitären Ausbildung und denjenigen mit nur obligatorischer Schulbildung ist aber geringer als bei den Männern: Im Alter von 30 Jahren beträgt der Unterschied in der Lebenserwartung 3.6, im Alter von 65 Jahren 2.7 Jahre.

Der Unterschied in der Lebenserwartung zwischen Männern und Frauen bleibt damit bedeutender als zwischen verschiedenen Bildungsabschlüssen: Im Alter von 30 Jahren ist die verbleibende Lebenserwartung von Männern mit universitärer Bildung immer noch etwas kleiner als diejenige von Frauen mit nur obligatorischer Schulbildung.

Das Ergebnis der Studie sollte, so die Meinung der Forschenden, in der Debatte um unterschiedliche Rentenalter berücksichtigt werden. So könnte es sinnvoll sein, dass Arbeiter, welche körperlich schwere, aber bezüglich Ausbildung anspruchslosere Arbeit erledigen, gerechterweise früher in Pension gehen als Akademiker.

MEDICA.de; Quelle: Swiss Medical Weekly 2006, Vol. 136, S. 145-148