Hoher Zucker schlägt auf die Frauenblase

Diabetes erhöht die Zahl der
Harnwegsinfekte bei Frauen
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Bislang gibt es relativ wenige Daten, die über den Zusammenhang zwischen einer mikrobiologisch bestätigten Harnwegsinfektion beziehungsweise einer asymptomatischen Bakteriurie und dem Diabetes mellitus Auskunft geben.

Dies wollten Wissenschaftler von der University of Washington, Seattle, nun ändern. Prospektiv verfolgten sie zwischen 1998 und 2002 218 diabetische Frauen aus dem US-amerikanischen Bundesstaat Washington und verglichen sie mit 700 nicht-diabetischen Frauen.

Alle Studienteilnehmerinnen waren zwischen 55 und 75 Jahre alt. Zu Beginn der Studie wurden sie körperlich und labormedizinisch untersucht. Zwei Jahre lang wiederholte man diese Untersuchungen im jährlichen Abstand. Mit Hilfe eines Tagebuches zeichneten die Frauen Episoden von Harnwegsinfektionen auf.

Die Rate solcher Harnwegsinfektionen lag bei 12.2 pro 100 Personenjahre bei den Frauen mit Diabetes mellitus und bei 6.7 pro 100 Personenjahren bei den Frauen ohne diese Erkrankung. Demnach steigt rein rechnerisch das Risiko, an einer Harnwegsinfektion zu erkranken, bei Frauen mit Diabetes mellitus um rund 80 Prozent.

Noch deutlicher war das Bild bei der asymptomatischen Bakteriurie: 6.7 Fällen pro 100 Personenjahren bei den Frauen mit Diabetes mellitus standen nur 3.0 Fälle bei den gesunden Frauen gegenüber. Dies entspricht einer Erhöhung des Risikos von sogar 130 Prozent.

Die weitere Analyse zeigte, dass von einer Harnwegsinfektion vor allem jene Frauen mit Diabetes mellitus betroffen sind, die Insulin einnehmen (relatives Risiko: 3.7) und Frauen, bei denen die Erkrankung schon mindestens zehn Jahre andauerte (relatives Risiko: 2.6). Zwischen dem HbA1c-Wert und dem Risiko von Harnwegsinfekten beziehungsweise einer asymptomatischen Bakteriurie konnte kein Zusammenhang hergestellt werden.

MEDICA.de; Quelle: American Journal of Epidemiology 2005, Vol. 161, S. 557-564