Daten aus den letzten Jahren haben den Verdacht erregt, dass hohe Homozystein-Spiegel das Risiko osteoporotischer Frakturen erhöht. Homozystein kann nämlich die Kollagenvernetzung stören und damit den Knochenaufbau schwächen.

Diesen Vermutungen wurden nun Fakten an die Seite gestellt. Wissenschaftler werteten die Daten aus der Women's Health Initiative Observational Study (WHI-OS) aus. An dieser Untersuchung nahmen seit 1993 genau 93.676 postmenopausale Frauen teil, die bis zum Jahre 2004 nachuntersucht wurden. Die Wissenschaftler untersuchten aus dieser Kohorte 400 Frauen, die während des Nachuntersuchungszeitraums eine Oberschenkelhalsfraktur erlitten. 400 gesunde Vergleichspersonen ergaben die Kontrollgruppe.

Zu Beginn der Studie hatte man die Nüchtern-Homozysteinwerte gemessen. In der Gruppe jener Frauen, die später eine Oberschenkelhalsfraktur erlitten, lag der durchschnittliche Homozysteinwert bei 11.7 Mikromol/L, in der Kontrollgruppe nur bei 10.7 Mikromol/L (p gleich 0.001). Dies war unabhängig von anderen Werten wie Kalzium- oder Vitamin D-Aufnahme sowie Folsäure- und Vitamin B12-Werten.

Teilt man die Probanden bezüglich ihres Homozysteinwertes in Quartilen ein, dann zeigt sich ein klarer linearer Zusammenhang zwischen dem Homozysteinspiegel und dem Risiko einer Oberschenkelhalsfraktur: In der höchsten Quartile ist das Risiko einer solchen Fraktur 1.8-fach höher als in der niedrigsten Quartile.

Weitere Studien sollen diese Daten nun verifizieren. Die Studienleiter interessieren sich besonders für die Frage, ob man dem erhöhten Frakturrisiko durch bessere Ernährung entgegentreten kann. Experten sind der Ansicht, dass das Homozystein als Marker der Osteoporose eine untergeordnete Rolle spielen wird, da der Homozysteinwert von zahlreichen Faktoren mitbeeinflusst wird.

MEDICA.de; Quelle: 88th annual meeting of the Endocrine Society (ENDO 2006) Abstract OR23-1