Hormon im Fettgewebe legt Insulinproduktion lahm

Ein dicker Bauch schadet dem
Insulinspiegel; © Hemera

Normalerweise bildet Insulin zusammen mit dem Hormon Leptin im Körper einen so genannten Regelkreis: Leptin kontrolliert in der Bauchspeicheldrüse die Insulinbildung, Insulin wiederum hemmt im Fettgewebe die Produktion von Leptin. "Dieser Regelkreis ist für die Anpassung des Zucker- und Energiestoffwechsels an das Körpergewicht von großer Bedeutung", erklärt der Mediziner Jochen Seufert.

Doch bei übergewichtigen Menschen funktioniert der Regelkreis nicht mehr ordnungsgemäß. Wie genau dieser Fehler zu Stande kommt, war bislang nicht bekannt. Auch konnte die Wissenschaft nicht im Detail erklären, auf welchen molekularen Wegen eine gestörte Funktion von Leptin bei Übergewichtigen die Insulin-Produktion zum Erliegen bringt.

Seuferts Arbeitsgruppe an der Medizinischen Klinik und Poliklinik II der Uni Würzburg kann nun eine Erklärungsmöglichkeit anbieten. Unter dem Einfluss von Leptin wird in den insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse vermehrt das Protein SOCS3 produziert, das die Aktivierung des Insulingens und damit die Insulinbildung unterdrückt.

"SOCS3 könnte für die Fehlfunktion der insulinproduzierenden Zellen und damit für die Entstehung der Zuckerkrankheit bei Menschen mit Übergewicht verantwortlich sein", sagt Laubner. Damit haben die Wissenschaftler ein Molekül identifiziert, das in der Zukunft neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnen könnte: Falls sich SOCS3 durch Medikamente beeinflussen lässt, könnte dadurch bei übergewichtigen Diabetes-Patienten die Insulin-Produktion vielleicht länger erhalten werden.

"Ein noch besserer Weg ist es natürlich, Übergewicht und damit hohe Leptinspiegel von vornherein zu vermeiden", sagen die Würzburger Forscher. Dies umso mehr, als in der heutigen Gesellschaft mit zunehmend übergewichtigen Menschen die Gefahr groß sei, dass Diabetes immer häufiger vorkommt.

MEDICA.de; Quelle: Universität Würzburg