Seitdem zwei große Studien einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Hormonen und einem erhöhten Risiko für Brustkrebs feststellten, ist die Hormonersatztherapie (HET) umstritten. Eine Forschergruppe um den Charité-Pathologen Professor Dr. Manfred Dietel hat die Studien jetzt geprüft und zweifelt die bisherigen Ergebnisse an: "Die Homonersatztherapie hat keinen Einfluss auf die primäre Neubildung von Brustkrebs", bilanziert Dietel. "Die Daten lassen nur den Schluss zu, dass die Hormone das Wachstum bereits vorhandener hormonsensitiver Brusttumoren stimulieren." Experten schätzen, dass etwa 60 bis 70 Prozent aller Mammakarzinome auf Hormone ansprechen.

Dank des schnelleren Wachstums könne der Tumor bei Vorsorgeuntersuchungen früher entdeckt und operiert werden. Es gebe sogar Hinweise, dass Tumoren einen günstigeren Verlauf zeigen, wenn die erkrankten Frauen Hormone einnehmen. "Nach bisherigen Erkenntnissen kommen wir zu dem Schluss, dass Hormone in den Wechseljahren keinen gesundheitlichen Nachteil bezüglich der Entstehung von Brustkrebs bringen", berichtet Dietel. Voraussetzung sei dabei allerdings, dass Vorsorge- und Mammographieuntersuchungen regelmäßig wahrgenommen würden.

Im Kernpunkt der methodenkritischen Betrachtung stehen die Gesetzmäßigkeiten der Tumorbiologie: So stehe fest, dass die erste Tumorzelle nach ihrer Bildung einen Zeitraum von mindestens fünf, wenn nicht gar zehn Jahren benötigt, um über Zellteilung auf eine Tumormasse von 0,5 bis einem Zentimeter Durchmesser anzuwachsen - ab dieser Größe könnten Brusttumoren bei der Mammographie überhaupt erst entdeckt werden.

Studien, die ein erhöhtes Krebsrisiko bei der Einnahme von Hormonen feststellten, haben jedoch lediglich Untersuchungszeiträume zwischen einem und sechs Jahren zugrunde gelegt. "Diese Untersuchungszeiträume sind zu kurz, um tatsächlich Rückschlüsse auf einen Zusammenhang zwischen der Neubildung eines Brustkrebstumors und der Einnahme von Hormonen ziehen zu können", so Dietel.

MEDICA.de; Quelle: Charité - Universitätsmedizin Berlin