„Ein Mikroskop wird quasi huckepack mit dem Endoskop auf die Reise in das Innere des Körpers genommen“, so erklärt Dr. Ralf Kießlich vom Universitätsklinikum Mainz die Endomikroskopie. Dort wurde das Verfahren mitentwickelt und erprobt. „So kann man simultan zur Endoskopie eine Mikroskopie beispielsweise des Darmes machen“.

Wandert ein Endoskop zum Beispiel durch den Dickdarm und entdeckt dort Polypen, dann heißt das noch lange nicht, dass sich aus allen ein bösartiger Tumor entwickeln muss. „Mit der Endomikroskopie kann der Arzt schon während der Untersuchung eine Gewebedifferenzierung vornehmen und so entscheiden, welcher Polyp besser raus sollte, und welcher harmlos ist“, sagt der Mainzer Mediziner.

Bei dem Verfahren wird dem Patienten ein fluoreszierendes Kontrastmittel entweder intravenös verabreicht oder es wird vom Endoskop direkt auf die zu untersuchende Stelle gespritzt. Dann wird vom Mikroskop aus Laserlicht auf das Gewebe geworfen und der Arzt kann Details einzelner Zellen erkennen. Mit dem blauen Laserstrahl kann man die Schleimhaut von der Oberfläche bis in eine Tiefe von 250 Mikrometern betrachten. „Dadurch können Krebsvorstufen früher erkannt werden“, so Kießlich.

Mit der Endomikroskopie kann dem Pathologen Arbeit erspart werden. „Durch das Verfahren müssen weniger Biopsien gemacht werden, denn Gewebeentnahmen können nun gezielter platziert werden“, erklärt Kießlich. „Der Pathologe bekommt viel weniger Material geschickt, doch in diesem findet sich dann mit höherer Wahrscheinlichkeit ein krankheitsrelevanter Befund.“

Bislang kann die Endomikroskopie die Biopsie und anschließende Untersuchung noch nicht ersetzen. Ob es sich um eine leichtgradige oder eine hochgradige Neoplasie handelt, kann nur der Pathologe bestimmen. Doch Kießlich meint: „Grundsätzlich glaube ich schon daran, dass wir in Zukunft eine Qualität erreichen, die der Histologie entspricht.“

Für die Zukunft sieht Kießlich noch viele Einsatzgebiete für das System außer im Magen-Darm-Trakt. „Vorstellbar wäre eine Weiterentwicklung für den Bereich der Urologie oder auch Neurochirurgie.“ Im Moment erproben die Mainzer Wissenschaftler eine Entwicklung für den Bauchbereich. „Wir forschen gerade an einem kleinen Stift, der aussieht wie ein Kugelschreiber. Darin befindet sich ein Mikroskop. Damit kann dann bei einer Laparoskopie die Leber oder die Lymphknoten abgetastet werden.“

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