Erste Hinweise darauf, dass die Ernährung der Mutter während der Schwangerschaft etwas mit der Schizophrenie zu tun haben könnte, kamen von einer niederländischen Studie. Die hatte gezeigt: Kinder, die während des katastrophalen Hungerwinters von 1944/45 gezeugt worden waren, hatten ein doppelt so hohes Risiko, später an Schizophrenie zu erkranken als andere Personen, deren Mütter während der Schwangerschaft keinen Hunger leiden mussten.

Eine neue Studie wollte dieses Ergebnis nun am Beispiel einer anderen Hungersnot verifizieren. Die Wissenschaftler nahmen sich die Hungerjahre von 1959 bis 1961 in China vor. Im Zentrum des Interesses stand die Region von Anhui. Zum einen war die Hungersnot damals dort ganz besonders schlimm. Zum Zweiten hat diese Region nur ein einziges psychiatrisches Krankenhaus.

So konnten die Wissenschaftler bequem alle psychiatrischen Fälle der Jahre 1971 bis 2001 durchforsten und mit den Geburtsdaten vergleichen. Dabei interessierten sich die Wissenschaftler ausschließlich für die Fälle einer nachgewiesenen Schizophrenie und erhoben dazu die entsprechenden soziodemographischen Daten.

Wie sich zeigte, sank die Geburtenrate in dieser Provinz zwischen 1959 und 1961 drastisch ab: von 28,28 Geburten pro 1.000 Frauen 1958 auf 8,61 im Jahre 1960. Erst 1961 stieg die Geburtenrate wieder langsam an.

Als man die Zahl der gesicherten Schizophreniefälle mit den Geburtsdaten verglich, wurde das Ergebnis der niederländischen Studie bestätigt: In China stieg die Schizophrenierate von 0,84 Prozent im Geburtsjahrgang 1959 auf 2,15 Prozent im Geburtsjahrgang 1960. Für die Chinesen des Jahrgangs 1960 in dieser Provinz war das Schizophrenierisiko damit 2,3fach erhöht.

Dieses Ergebnis ist für die psychiatrische Forschung von großem Interesse, weil es offenbar über zwei ethnische Gruppenhinweg konstant ist.

MEDICA.de; Quelle: Journal of the American Medical Association 2005, Vol. 294, S. 557-562