Bild: Ein Thermometer 
Bei starkem Blutverlust
kann eine niedrige Körpertem-
peratur Leben retten; © SXC

In den USA sterben mehr Menschen unter 34 Jahren an schweren Traumen als durch alle Krankheiten zusammen. Massiver Blutverlust ist die häufigste Todesursache. Starke Blutverluste können nur sehr begrenzt mit den Methoden einer kardiopulmonalen Wiederbelebung behandelt werden. Der Blutverlust führt in der Regel zu einem Herzstillstand und dann zum Hirntod innerhalb von vier bis fünf Minuten.

Wissenschaftler des „Massachusetts General Hospital“ wollten nun wissen, ob im Rahmen einer schnellen Notfallbehandlung (Emergency Preservation and Resuscitation: EPR) eine schnelle Abkühlung des Körpers Hilfe bringen würde. Ihre Studienergebnisse stellten sie jetzt beim „American College of Surgeons 93rd Annual Clinical Congress“ vor.

„Testpersonen“ waren 23 Schweine. Allen Tieren öffnete man die Arterien und Venen. In der Gruppe eins hatten die Tiere einen systolischen Blutdruck von 40 mmHg und normale Körpertemperatur. In der zweiten Gruppe dagegen wurde der systolische Blutdruck bei 50 mmHg gehalten. Mit Hilfe intraarterieller Infusionen kalter Flüssigkeit wurde die Körpertemperatur 60 Minuten auf zehn Grad Celsius abgesenkt.

Durch den Blutverlust erlitten alle Tiere einen Herzstillstand oder standen kurz davor. Danach wurden sie reanimiert. Die Überlebensraten waren am höchsten bei jenen Tieren, die längere Zeit stark unterkühlt waren und einen höheren systolischen Blutdruck hatten.

Wahrscheinlich hat die schnelle und starke Unterkühlung des Körpers zur Folge, dass sich der Gehirnstoffwechsel verlangsamt, die Zellen und die Organe weniger geschädigt werden. Das Gehirn bleibt länger am Leben und lässt mehr Zeit für lebensrettende Maßnahmen.

Natürlich ist Vorsicht geboten bei der Übertragung dieser Studienergebnisse auf den Menschen. Dennoch sind die Studienleiter optimistisch, dass sie mit dieser Methode möglicherweise in Zukunft bei Unfall- oder Verbrechensopfern mit starkem Blutverlust dieÜberlebenschancen verbessern können.

MEDICA.de; Quelle: American College of Surgeons 93rd Annual Clinical Congress Surgical Forum S33