Verschiedene Studien mit Tieren, aber auch Patienten, ließen die Vermutung zu, dass eine Hypothermie die neurologische Langzeitprognose nach einem Schädel-Hirn-Trauma verbessern könnte. Dies hat sich einer neuen Studie zufolge aber nicht bestätigt.

An der Studie der kanadische Arbeitsgruppe um Dr. James Hutchison vom Hospital for Sick Children in Toronto, Ontario, Kanada, nahmen 225 Kinder im Alter zwischen einem und 17 Jahren aus 17 medizinischen Zentren in Kanada, Frankreich und Großbritannien teil. Alle hatten ein schweres Hirntrauma erlitten und einen Wert von höchstens acht auf der „Glasgow Coma Scale“. Randomisiert wurde entweder innerhalb der ersten acht Stunden nach dem Unfall 24 Stunden lang ihre Körpertemperatur auf 32,5 Grad Celsius abgekühlt oder nicht.

Sechs Monate nach dem Eingriff zeigten 31 Prozent der Kinder nach Hypothermie neurologische Spätschäden, aber nur 22 Prozent nach Normothermie. Auch die Mortalität war unter Hypothermie höher als unter Normothermie: 21 Prozent versus zwölf Prozent. Dieser Unterschied war jedoch nicht statistisch signifikant.

Studienleiter Hutchison weist darauf hin, dass die Schwierigkeit bei der Hypothermie das Wieder-Aufwärmen der Patienten ist: Dabei kontrahieren sich die Blutgefäße und der Blutdruck sinkt, was gefährlich für das Gehirn sein kann. Trotz eines genauen Erwärmungsprotokolls könne man dieses Problem nicht ganz beherrschen, so der Studienleiter.

Weitere Studien in dieser Frage sollen folgen. Insbesondere will man untersuchen, ob Kinder früher abgekühlt und langsamer wieder erwärmt werden sollen. Doch Studienleiter Hutchison sieht wenig Chancen, dass sich die Hypothermie für Kinder nach schwerem Hirntrauma als Standardtherapie etablieren könnte.

MEDICA.de; Quelle: New England Journal of Medicine 2008, Vol. 358, S. 2447-2456