Man schätzt, dass etwa zehn bis 15 Prozent aller Paare in Europa ungewollt kinderlos sind. Bei einigen Paaren kann mit Hilfe einer künstlichen Befruchtung ein Kind gezeugt und ausgetragen werden. Bei der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) wird ein einzelnes Spermium mit Hilfe einer Nadel in die Eizelle injiziert. Sie ist derzeit die am häufigsten verwendete Methode der künstlichen Befruchtung in Deutschland. 2002 wurde die ICSI durch den Bundesausschuss als Routinemethode in der gesetzlichen Krankenversicherung eingeführt. Auflage war allerdings, die Fehlbildungsraten innerhalb von drei Jahren zu überprüfen.

Eine Studie ist nun der Frage nachgegangen, ob durch ICSI gezeugte Kinder ein höheres Fehlbildungsrisiko aufweisen im Vergleich zu Kindern, die durch In-vitro-Fertilisation (IVF) oder natürlich gezeugt wurden.

Bei einer systematischen Literaturübersicht erfüllten von 929 recherchierten Studien drei Metaanalysen, 15 Studien zum Fehlbildungsrisiko und zwölf Studien zu Imprinting-Erkrankungen die Einschlusskriterien. Insgesamt neun Publikationen verglichen ICSI versus IVF.

Die Fehlbildungsraten waren nicht signifikant unterschiedlich. Zwei Metaanalysen ergaben signifikant mehr große Fehlbildungen nach künstlicher Befruchtung im Vergleich zur natürlichen Konzeption. Dies bestätigten auch drei von acht epidemiologischen Studien, wohingegen die verbleibenden fünf Studien keine Signifikanz ergaben.

Die aktuelle Datenlage zeigt kein höheres Risiko für große Fehlbildungen bei Kindern nach einer ICSI-Zeugung im Vergleich zu Kindern nach einer IVF-Zeugung. Allerdings gibt es Hinweise für eine Risikoerhöhung bei künstlich gezeugten Kindern sowohl nach ICSI als auch IVF im Vergleich zur natürlichen Empfängnis. Hier besteht weiterer Forschungsbedarf.

MEDICA.de; Quelle: Deutsches Ärzteblatt 2008, Vol. 105, S. 11-17