Immunzellen unter falschem Verdacht

Foto: Gehirn-Modell

Bei Nervenentzündungen im Gehirn
spielt Interleukin-17 keine Rolle;
© Hemera

Forscher um den Zürcher Immunologen Professor Burkhard Becher ist es nun gelungen, die spezifische Funktion des Botenstoffes Interleukin-17 zu entschlüsseln. Als die Wissenschaftler ihre bisherigen Forschungsergebnisse verglichen, wurde ihnen klar, dass die allgemeine Annahme, Interleukin-17 ermögliche den Immunangriff gegen das Gehirn, nicht richtig sein kann. Damit widerlegen sie eine verbreitete Annahme im Zusammenhang mit der Entstehung von Multipler Sklerose (MS).

Mit Hilfe der Gentechnik und genmanipulierten Zellen wurde den Forschern klar, dass Interleukin-17 in der Tat eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Entzündungen spielt. „Insbesondere die Haut, die Gelenke, die Lunge und andere Organe sind davon massiv betroffen; das Gehirn aber überraschenderweise nicht“, erklärt Becher. „Die gute Neuigkeit ist, dass man nun besser weiß, bei welchen Erkrankungen Interleukin-17 als Bösewicht auftritt.“ Bei MS scheint das nicht der Fall zu sein. Das Ergebnis ist wichtig, um die Mechanismen des Krankheitsverlaufes besser zu begreifen.

Becher erwartet, dass die Forschungsergebnisse einen großen Einfluss auf zukünftige therapeutische Strategien haben werden. Klar ist nun, dass zwar grundlegende Mechanismen bei den meisten Autoimmunerkrankungen große Ähnlichkeiten aufweisen. Allerdings ist jetzt auch erwiesen, dass man diese Erkrankungen nicht alle gleich behandeln kann. „Nun müssen wir herausfinden, welche Eigenschaften Immunzellen haben, die das Gehirn angreifen", sagt Becher.

MEDICA.de; Quelle: Universität Zürich