Impfstoff aus der Tabakpflanze

Schlichtes Aussehen, aber effizientes
Inneres; © Pixelquelle.de

Impfstoffe sind oft Proteine und werden mit großem Aufwand in Bakterien oder Zellkulturen hergestellt. Dass sie sich auch in gentechnisch veränderten Pflanzen produzieren lassen, ist für Forscher nicht neu. "Allerdings lieferten die bislang getesteten Pflanzen viel zu geringe Mengen", sagt Heribert Warzecha, der am Lehrstuhl für Pharmazeutische Biologie der Uni Würzburg forscht.

Anders sieht es nun bei dem Impfstoff gegen Borreliose aus. Der besteht aus einem Protein (OspA), das auf der Oberfläche der krankheitserregenden Bakterien vorkommt und mit Fettsäure-Ketten bestückt ist. Warzecha hat für seine Versuche die DNA für das Protein in die Chloroplasten von Tabakpflanzen integriert.

Die kleinen Fabriken produzierten nicht nur wie geplant das Protein, sondern versahen es auch gleich noch mit wichtigen Fettsäuren, die wichtig sind, damit das Protein als Impfstoff wirken kann. "Bislang war es gängige Lehrmeinung, dass ausschließlich Bakterien diese ganz spezielle Veränderung eines Proteins erledigen können", sagt Warzecha. Doch offensichtlich sind auch Chloroplasten dazu in der Lage.

Die untersuchten Tabakpflanzen sind zudem produktiv. Das liegt daran, dass die Konstruktionsanleitung für den Impfstoff nicht wie üblich in den Zellkern, sondern in die Chloroplasten eingebaut wurde - und davon enthält jede grüne Pflanzenzelle rund hundert Stück.

Die Forscher extrahierten den Impfstoff dann aus den Tabakpflanzen und schickten ihn in gereinigter Form zum Team von Professor Markus Simon nach Freiburg. Dort wurde der Stoff Mäusen injiziert. Deren Immunsystem schützte die Tiere vor der Borreliose. Dabei wirkte der Impfstoff aus den nikotinhaltigen Gewächsen fast genau so gut wie derjenige, der sich in Bakterienkulturen produzieren lässt.

MEDICA.de; Quelle: Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg