Immunologie: Impfstoffkandidat gegen neues Virus

05.09.2013
Foto: Spritze

Die Entwicklung neuer Impfstoffe muss mit dem Auftreten neuer Krankheiten Schritt halten;
© panthermedia.net/Michael Heger

Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität München um Prof. Gerd Sutter haben einen möglichen Impfstoff gegen das Coronavirus entwickelt.

Im Herbst 2012 beunruhigte das damals neu entdeckte Virus die Öffentlichkeit. Es verursacht schwere Krankheitsverläufe mit Atemnot und Lungenentzündung, die zum Tod führen können. Alle bisher bekannten 108 bestätigten Infektionen hängen mit der saudi-arabischen Halbinsel zusammen, daher heißt das Virus "Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus (MERS-CoV)". In Europa, darunter auch in Deutschland, trat das Virus bislang nur bei Patienten auf, die sich zuvor im saudiarabischen Raum infiziert hatten. Die Infektionsquelle ist bislang noch unbekannt, jedoch kann sich das Virus offenbar von Mensch zu Mensch verbreiten, wie die unmittelbare Ansteckung von Familienangehörigen und Pflegenden bei erkrankten Patienten gezeigt hat.

Ein Team um Gerd Sutter vom Institut für Infektionsmedizin und Zoonosen an der LMU hat in Zusammenarbeit mit dem Erasmus Medical Center Rotterdam und der Philipps Universität Marburg in den vergangenen Monaten einen möglichen Impfstoff gegen das Virus entwickelt. „Der von uns entwickelte Impfstoffkandidat gegen das MERS Coronavirus ist der erste publizierte Impfstoff, der realistisch als Notimpfstoff im Menschen eingesetzt werden könnte, falls es zu einer Epidemie kommen sollte“, sagt Sutter.

Der neue Impfstoff ist auf Basis des Modifzierten Vacciniavirus Ankara (MVA) entwickelt. Das Impfvirus MVA wurde bereits vor mehr als 30 Jahren an der LMU als Impfstoff gegen Pocken generiert. Heute wird das MVA weltweit bei der Erforschung und Entwicklung von Impfstoffen gegen Virusinfektionen und Krebs eingesetzt. Die MVA-Viren werden molekularbiologisch so modifiziert, dass Proteine von Krankheitserregern als Impfantigene hergestellt werden können. Dabei wird die genetische Information des Krankheitserregers, in diesem Fall also des Coronavirus, in das Genom der MVA-Viren geschleust.

Der von Sutter entwickelte Impfstoffkandidat MVA-MERS-S sorgt dafür, dass das Immunsystem eines Impflings ausreichend Antikörper entwickeln kann, damit eine Infektion mit dem Coronavirus wirksam verhindert wird. Das konnte in Tests mit Mäusen gezeigt werden. In einem nächsten Schritt muss nun ein Tiermodell entwickelt und nachgewiesen werden, dass der Impfstoff MVA-MERS-S auch schwere Lungenentzündungen verhindern könnte, die beim Menschen durch das Coronavirus ausgelöst werden.

MEDICA.de; Quelle: Ludwig-Maximilians-Universität München