Impfung weckt die Immunabwehr gegen Hirntumor

Das konnten Dr. Hans-Herbert Steiner und seine Mitarbeiter von der Neurochirurgischen Klinik der Universität Heidelberg gemeinsam mit Forschern des Deutschen Krebsforschungszentrums zeigen.

Die Injektion der gleichen Tumorzellen, die das Immunsystem innerhalb des Körpers bisher übersehen oder toleriert hat, macht es schlagartig auf den Feind im Inneren aufmerksam, so dass es mit Antikörpern und Killerzellen den Kampf aufnehmen kann, fanden die Wissenschaftler heraus. Noch empfindlicher reagiere das Immunsystem auf diese Injektion, wenn der Impfstoff mit einem ungefährlichen Vogelvirus angereichert wird, der sich nur in Tumorzellen vermehren kann. Eine Dosis des Impfstoffs enthielt zehn Millionen derart modifizierter Tumorzellen des jeweiligen Patienten.

Zwischen Dezember 1995 und April 2001 impften die Heidelberger Forscher 23 Patienten mit Glioblastomen mit körpereigenen Tumorzellen. Ihnen gegenüber stand eine Kontrollgruppe von 87 Patienten, die nicht geimpft wurde.

Die Impfungen wurden laut der Forscher von den Patienten gut vertragen und riefen keine Nebenwirkungen hervor, die die Lebensqualität der Patienten beeinträchtigt hätten. Bei den geimpften Patienten konnten deutlich erhöhte Zahlen von Anti-Tumor-Immunzellen nachgewiesen werden. Die durchschnittliche Überlebenszeit der geimpften Patienten betrug 100 Wochen - gegenüber einem durchschnittlichen Wert von 49 Wochen in der Kontrollgruppe.

39 Prozent der geimpften Patienten überlebten länger als zwei Jahre - während dies in der Kontrollgruppe nur elf Prozent gelang. "Das ist eine hohe Überlebensrate, die bisher noch mit keiner anderen Behandlungsart erreicht wurde", kommentiert Steiner, erinnert aber gleichzeitig daran, dass die Ergebnisse der Pilotstudie nicht ohne weiteres zu verallgemeinern seien.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg