1981 kamen in Indien 962 Mädchen pro 1.000 Jungen auf die Welt. Im Jahre 1991 war das Verhältnis bereits auf 945 pro 1.000 Jungen gefallen und 2001 fiel die Rate gar auf 921 Mädchen pro 1.000 Jungen. Das zeigt eine Studie von Dr. Prabhat Jha, der an der University of Toronto arbeitet.

Der Wissenschaftler nutzte Daten der „Special Fertility and Mortality Survey“. Im Rahmen dieser Untersuchung hatte man verheiratete Frauen aus mehr als einer Million Haushalten in Indien in Bezug auf Geburten befragt. So erfuhren die Befrager von insgesamt 133.739 Geburten. Daraus errechneten die Wissenschaftler, dass in Indien im Jahre 1997 13,7 Millionen Mädchen hätten geboren werden müssen. Tatsächlich wurden aber nur 13,1 Millionen Mädchen geboren. Besonders krass war das Missverhältnis bei jenen Frauen, die erstmals schwanger wurden. Sie brachten im Schnitt 871 Mädchen pro 1.000 Jungen auf die Welt.

Bei weiteren Geburten fiel die Wahrscheinlichkeit, dass die Frau ein Mädchen gebar, wenn sie bereits eine Tochter hatte. Bei Frauen, die bereits eine Tochter haben, liegt das Mädchen-Jungen-Geburtsverhältnis bei 759 zu 1.000 beziehungsweise bei 719 zu 1.000 bei zwei Töchtern.

Erstaunlicherweise waren Mädchen auch bei höher gebildeten Frauen seltener als bei weniger Gebildeten.

Es gibt verschiedene Erklärungsmöglichkeiten für diesen Befund: Zu geringe Kalorienaufnahme der Mutter oder eine Hepatitis-B-Infektion könnten möglicherweise dazu beitragen, dass weniger Mädchen als Jungen geboren werden. In Indien jedoch gibt es noch einen weiteren Faktor: Dort sind Jungen als Nachkömmlinge einfach beliebter und in den Augen vieler Eltern mehr wert.

Seit 1994 dürfen in Indien keine vorgeburtlichen Geschlechtsbestimmungen mehr vorgenommen werden. Doch dieses Verbot wird weitgehend ignoriert.

MEDICA.de; Quelle: Lancet 2006, Early Online