Bislang war man davon ausgegangen, dass es nach der Aufnahme von infektiösen Prionen allein in lymphoiden Organen wie den Lymphknoten und der Milz zu einer Vermehrung der Prionen kommt. Forscher konnten jetzt in ihren Experimenten zeigen, dass diese Lehrmeinung nicht mehr gültig ist, wenn Entzündungen vorliegen.

In Tierversuchen mit Mäusen wurden fünf Entzündungsmodelle in drei Organen durchgespielt: Niere, Pankreas und Leber. Das Ergebnis war überraschend: Nach einer experimentell ausgelösten Entzündung konnten in allen Organen massive Prionen-Ansammlungen nachgewiesen werden. Die Prionen wandern bevorzugt dorthin, wo sie entzündetes Gewebe finden.

Die Forscher schließen daraus, dass die gegenwärtige Risiko-Klassifikation nur dann gültig ist, wenn das betroffene Tier zwar mit Prionen infiziert, ansonsten jedoch gesund ist. Falls eine zusätzliche Entzündung vorhanden ist - sei es durch einen Virus, ein Bakterium oder eine Autoimmunerkrankung - erweitert sich das Spektrum der prionenhaltigen Organe wesentlich. Nach Ansicht eines der Studienautoren ist es daher wichtig, die mit Mäusen gewonnenen Erkenntnisse in einem nächsten Schritt bei landwirtschaftlichen Nutztieren wie Schafen und Rindern zu überprüfen. Nun wollen die Forscher weitere Schnittstellen zwischen Lymphorganen und Gehirn bei Prionerkrankungen untersuchen.

Als häufigste Infektionsform bei den meisten Prionerkrankungen gilt die orale Aufnahme von infizierten Stoffen. Wie bei der so genannten Bovinen Spongiformen Enzephalopathie (BSE) beim Rind oder "Scrapie" beim Schaf wird auch bei der neuen Variante der "Creutzfeld-Jakob-Erkrankung" (vCJD) die Infektion wahrscheinlich durch den Verzehr von BSE-verseuchtem Fleisch hervorgerufen.

MEDICA.de; Quelle: Science: Scienceexpress