Individualisierte Behandlungskonzepte bei Brustkrebs

01.07.2014
Foto: Frauen mit rosa Tops und Schleifen

Die DEGRO stellt vor, für welche Patientinnen die jüngsten Weiterentwicklungen der Strahlentherapie in Frage kommen und wie man die Therapie möglichst individuell für die betroffene Frau gestalten kann; ©WavebreakmediaMicro/ panthermedia.net

Mit etwa 75 000 Neuerkrankungen pro Jahr ist Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung der Frau, 17 000 sterben daran. Nach oder schon während einer Brustoperation bestrahlen Radioonkologen die Tumorregion, um Krebszellen gänzlich abzutöten.

Für welche Patientinnen die jüngsten Weiterentwicklungen der Strahlentherapie in Frage kommen und wie man die Therapie möglichst individuell für die betroffene Frau gestalten kann, diskutieren Experten auf 20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) in Düsseldorf.

Die Bestrahlung der Brust verhindert einen Rückfall der Krebserkrankung im Operationsgebiet und in den angrenzenden Lymphknoten. „Eine kürzlich veröffentlichte Meta-Analyse bestätigt, dass dies langfristig die Überlebenschancen der Patientinnen erhöht“, sagt Prof. Frederik Wenz, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Mannheim und Pressesprecher der DEGRO. „Die Radiotherapie beim Mammakarzinom ist zunehmend personalisierter und risikoangepasster geworden, das heißt wir berücksichtigen für den Behandlungsplan Art, Lage und Größe des Tumors, aber auch Alter und Belastbarkeit der Patientin“, erklärt Wenz. „Auch den meisten älteren Patientinnen können wir heute eine Strahlentherapie anbieten, die die Lebensqualität nicht spürbar einschränkt“, so der DEGRO-Pressesprecher.

Für jüngere Patientinnen eignet sich eine Strahlentherapie mit einer erhöhten Dosis im Tumorbett, also an der Stelle, an der der Tumor ursprünglich saß. „Dieser Boost verhindert Tumorrückfälle an der Brust und kommt deshalb bei allen Patientinnen mit erhöhtem Risiko infrage“, erläutert Wenz.

Bei älteren Frauen und anderen Patientinnen mit einem mittleren Risiko kann die Bestrahlungsserie verkürzt werden. Bei dieser als Hypofraktionierung bezeichneten Methode wird die Gesamtdosis auf insgesamt weniger Bestrahlungssitzungen verteilt. „Die Gesamtbehandlungsdauer beträgt dann nur drei Wochen, was insbesondere Patientinnen mit langen Anreisewegen entgegenkommt“, berichtet Wenz.

Eine neue Behandlungsleitlinie zu Brustkrebs, die vom diesjährigen DEGRO-Tagungspräsidenten Prof. Wilfried Budach zusammen mit weiteren Experten verfasst wurde, berücksichtigt diese aktuelle Weiterentwicklung der Strahlentherapie: „Neu ist die beschleunigte Teilbrustbestrahlung, bei der wir nur das erweiterte Tumorbett und nicht mehr die gesamte Brust bestrahlen“, erläutert der Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des Universitätsklinikums Düsseldorf. Dies schone das umgebende Gewebe. In einigen Fällen bestrahlen die Ärzte hier bereits während der Operation, sodass keine weiteren Termine erforderlich sind. „Das Interesse an dieser Form der Bestrahlung ist hoch“, berichtet Budach im Vorfeld des Kongresses, der Stellenwert der Therapie sei aber noch nicht abschließend untersucht: „Wir empfehlen, die Patientinnen für klinische Studien anzumelden, in denen die Bedingungen klar festgelegt und die Patientinnen optimal begleitet werden.“ Außerhalb klinischer Studien kommt die Therapie derzeit nur in Ausnahmefällen in Frage. Die Leitlinie nennt hier Frauen über 70 Jahren, deren Tumor kleiner als zwei Zentimeter war und noch nicht in die Lymphknoten gestreut hatte.

MEDICA.de; Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften