Individuell ist auch der Preis

Ein ausführliches Gespräch sollte bei
IGeL nicht fehlen; © Picture Disk

Eine Studie der Universität Köln, des Beratungsunternehmens Frielingsdorf Consult und des Verbandes der Privatärztlichen VerrechnungsStellen unter 186 Arztpraxen hat gezeigt, dass IGeL bereits acht Prozent des Gesamtumsatzes bei niedergelassenen Frauenärzten ausmachen. Die Studie ist zwar nicht repräsentativ, doch zeigt sie einen Trend auf: Die Ärzte wünschen sich, dass IGeL-Umsätze noch weiter steigen. Während sie jetzt durchschnittlich 2000 Euro pro Monat mit privaten Leistungen verdienen, wünschen sie sich für die Zukunft dreimal so hohe Einnahmen.

Ob alle Untersuchungen, die Frauen zur Selbstbezahlung angeboten werden, tatsächlich notwendig sind – da scheiden sich die Geister selbst von Spezialisten. So hält Prof. Dr. Werner Lichtenegger, Direktor der Frauenklinik der Charité Berlin einen Brust-Ultraschall für angebracht: „Damit können auch kleinere Veränderungen der Brust erkannt werden, die noch nicht ertastet werden können.“ Allerdings nur, wenn der Arzt entsprechend weitergebildet sei. Dr. Edith Bauer vom Arbeitskreis Frauengesundheit hingegen lehnt den generellen Ultraschall der Brust ab: „Ultraschall der Brust ist keine anerkannte Früherkennungsmaßnahme. Sie ist nur sinnvoll zur Abklärung verdächtiger Befunde.“

Einig sind sich die beiden Ärzte beim Test auf humane Papillomaviren (HPV), von denen einige Gebärmutterhalskrebs verursachen können. Beide halten den Test, der beim einen Gynäkologen 45 Euro kostet, beim anderen schon 109 Euro, für unsinnig. „Durch den Test werden nur zahllose junge Frauen verunsichert, denn die meisten sexuell aktiven jungen Frauen haben HP-Viren“, sagt Lichtenegger. „Doch nur ein sehr kleiner Prozentsatz entwickelt über einen langen Zeitraum hinweg ein Karzinom. Der Test sagt also nichts aus.“

Warum bei manchen IGeL Untersuchungen selbst unter Medizinern Uneinigkeit herrscht, erklärt Dr. Ursula Stüwe, Präsidentin der hessischen Landesärztekammer: „Das Problem ist, dass man bei Individuen nicht pauschalisieren kann. Bestimmte Untersuchungen sind bei einem Patienten sinnvoll, bei dem anderen aber nicht. Das kann ein Arzt nur von Fall zu Fall entscheiden.“ Bauer berichtet, dass es unter den Ärzten auch schwarze Schafe gibt. „Die schulen ihre Helferinnen regelrecht, dass den Patienten IGeL Untersuchungen verkauft werden sollen.“ Wenn ein Arzt seinem Patienten eine IGeL-Leistung geradezu aufdrängen möchte, kann es möglich sein, dass der nur sein Honorar aufbessern möchte und dabei suggeriert Gutes zu tun.

Daher strebt man in der hessischen Landesärztekammer an, den Dialog zwischen Arzt und Patient zu fördern. Mit einem Merkblatt, das noch in diesem Jahr herauskommen soll, möchte man mehr Klarheit schaffen. Die soll dem Patienten helfen. „Mir ist wichtig, dass sich der Patient eigenverantwortlich entscheiden kann, ob das Angebot, das ihm gemacht wird, für ihn sinnvoll ist oder nicht,“ sagt Stüwe.

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