Bild: Eine stillende Frau 
Lehrmaterial allein motiviert
nicht langfristig zum Stillen
© Hemera

Sowohl die Weltgesundheits- organisation WHO als auch die „American Academy of Pediatrics“ empfehlen, Neugeborene sechs Monate lang zu stillen. Danach sollte weiter gestillt werden in Verbindung mit geeigneter Zusatznahrung. Obwohl die Beweise für den Nutzen des Stillens immer umfangreicher werden, nutzen noch immer viele Mütter diese Chance nicht.

Am „National University Hospital” in Singapur haben Wissenschaftler jetzt untersucht, ob man Mütter vor der Geburt mit einem speziellen Motivationsprogramm dazu bewegen kann, ihre Kinder nach der Geburt zu stillen. 401 Frauen nahmen von Mai 2002 bis Dezember 2004 daran teil. Randomisiert wurden die Frauen in drei Gruppen eingeteilt: In Gruppe A erhielten die Frauen Unterrichtsmaterial zum Stillen und wurden zudem individuell von einem Spezialisten betreut. In der Gruppe B erhielten die Frauen nur gedrucktes Lehrmaterial und in Gruppe C schließlich begnügte man sich damit, den Frauen vor der Geburt lediglich die übliche medizinische Betreuung zukommen zu lassen.

Drei Monate nach der Geburt war der Anteil der Frauen, die ausschließlich stillten beziehungsweise hauptsächlich stillten – plus Zusatznahrung – in der Gruppe A 2,6-fach höher als in der Gruppe C. Nach sechs Monaten war deren Anteil noch immer 2,4-fach höher.

Etwas differenzierter der Vergleich zwischen Gruppe A (Lehrmaterial plus Betreuung) zu Gruppe B (nur Lehrmaterial). Während sich drei Monate nach der Geburt der Anteil der stillenden Mütter in beiden Gruppen nicht signifikant voneinander unterschied, war der Anteil nach sechs Monaten in der Gruppe A 2,4-fach höher als in der Gruppe B. Gedrucktes Lehrmaterial alleine kann also offenbar kurzfristig zum Stillen animieren, hat aber nur wenig Langzeiteffekte.


MEDICA.de; Quelle: Obstetrics & Gynecology 2007, Vol. 109, S. 73-80