Individuelle Empfindlichkeit gegen Giftstoffe im Rauch

Enzymhaushalt entscheidet
über Krebsrisiko bei Rauchern
© Universität Dortmund

"Im Tabakrauch sind über 150 giftige Stoffe enthalten. Einige dieser Verbindungen, vor allem die aromatischen Amine, stehen besonders im Verdacht Krebs auszulösen", erklärt Institutsdirektor Professor Hermann Bolt.

Allerdings entscheidet eine individuelle Empfindlichkeit darüber, wer an einer Tabakrauch-bedingten Krebsart erkrankt. Das liegt daran, dass die Enzymausstattung eines Individuums von Mensch zu Mensch verschieden ist.

Als Beispiel dient ein Enzym des Cytochrom-Komplexes, das krebserzeugende Kohlenwasserstoffe in Abbauprodukte umwandelt. Verschiede Varianten dieses Enzyms produzieren in diesem Prozess mehr oder weniger giftige Abbaustufen. Die Arbeitsgruppe um Professor Bolt fand nun heraus, dass Raucher besonders große Mengen dieser Enzyme besitzen. Damit werden bei den Betroffenen Kohlenwasserstoffe besonders effektiv in giftige Abbaustufen herunter gebrochen.

Aber der Körper besitzt auch Entgiftungsmechanismen: So besitzen zirka die Hälfte aller Europäer das Enzym GSTM1, welches bei der Entgiftung der Kohlenwasserstoffe eine wichtige Rolle spielt. Der Kreislauf der "Giftung" wird dann frühzeitig abgebrochen. Allerdings weiß auch bei diesem Mechanismus niemand, wie effektiv die körpereigene Entgiftung funktioniert.

Diese Ergebnisse sind auch für Straßenbauarbeiter und Beschäftigte in der Gummi-Industrie relevant, da diese auch im Arbeitsalltag mit solchen Kohlenwasserstoffen in Berührung kommen. Um den Einfluss solcher beruflich bedingten Kontakte einschätzen zu können, muss das Rauchen als alternative Giftstoffquelle ebenfalls genau analysiert werden.

MEDICA.de; Quelle: Institut für Arbeitsphysiologie an der Universität Dortmund