Diabetes Typ 2: Individuelle Vorbeugung für alle Patienten

20.11.2013
Foto: Fettes Essen

Lebensstiländerungen, wie die Umstel-
lung auf eine gesündere Ernährung, helfen längst nicht allen Patienten mit Diabetes-Typ-2; © panthermedia.net/
Arne Trautmann

Studien haben gezeigt, dass Lebensstiländerungen mit mehr Bewegung und einer gesünderen Ernährung die Erkrankungsraten nicht-ansteckender Erkrankungen senken können. Dies wirkt jedoch nicht bei „Hochrisikopersonen“.

Jährlich sterben weltweit 36 Millionen Menschen an nicht-ansteckenden Erkrankungen, zu denen neben Diabetes unter anderem Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen zählen. Sie haben gemeinsame Risikofaktoren wie Bewegungsmangel, Fehl- und Überernährung, die zu Übergewicht und Insulinresistenz führen.

Mehrere internationale Studien haben gezeigt: Lebensstilmaßnahmen können fast die Hälfte aller neuen Diabeteserkrankungen in den ersten Jahren verhindern „Daraus wird jedoch allgemein gefolgert, dass man mit einer gesünderen Lebensweise Diabetes populationsbezogen verhindern kann“, sagt Prof. Andreas Fritsche, Vorstandsmitglied und Pressesprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft und Leiter der Abteilung „Prävention und Therapie des Typ 2 Diabetes“ am Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen am Universitätsklinikum Tübingen. „So entsteht der Eindruck, Diabetes-Erkrankungen seien ausschließlich ein Problem der ‚Non-Compliance‘ und der Präventionsverweigerung.“

Menschen mit Diabetes Typ 2 wird häufig unterstellt, sie seien somit selbst schuld an ihrer Erkrankung. Außerdem suggeriert dies, dass eine medikamentöse Therapie bei Diabetes Typ 2 gar nicht mehr nötig ist, wenn Betroffene nur genug Übergewicht abbauen, sich mehr bewegen und anders essen. „Diabetes wird damit ausschließlich zu einer Lifestyle-Erkrankung erklärt“, warnt Fritsche. Menschen mit Diabetes seien jedoch auf ärztliche Behandlung angewiesen, zu der ab einem höheren Stadium der Erkrankung in der Regel eine medikamentöse Therapie gehöre. Darüber hinaus tragen bestimmte Menschen unabhängig von ihrem Lebensstil ein besonders hohes Risiko für Diabetes und sprechen gleichzeitig nicht auf die herkömmliche Diabetesprävention an.

„Präventionsanbieter und Ärzte müssen sich mehr diesen mit hohem Risiko und Krankheitslast geschlagenen Menschen zuwenden“, fordert Fritsche. Sie benötigen Vorbeugungsmaßnahmen, die ihre individuellen Krankheitsmechanismen spezifisch ansprechen: „Der schlanke Mensch mit Prädiabetes braucht eine andere Prävention als der Übergewichtige. Jemand mit erhöhtem Nüchternblutzucker braucht andere Maßnahmen als derjenige mit erhöhtem postprandialen Blutzucker. Menschen mit isolierter Insulinresistenz brauchen wiederum andere Maßnahmen als jene mit isolierter Insulinsekretionsstörung oder mit erhöhtem Leberfett“, fasst Fritsche zusammen.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft