Obwohl die genaue Rolle verschiedener kausaler Faktoren für die Multiple Sklerose noch unklar ist, hat man immer wieder eine infektiöse Mononukleose mit der Multiplen Sklerose in Verbindung gebracht. Dies scheint wohl richtig zu sein, wie jetzt eine dänische Untersuchung zeigt. Daten von 25.234 dänischen Patienten wurden dabei analysiert. Alle hatten in den vergangenen Jahrzehnten an einer infektiösen Mononukleose, ausgelöst durch das Epstein-Barr-Virus, gelitten. Ihre Daten waren verzeichnet in verschiedenen dänischen Datenbanken.

Im Laufe des Nachbeobachtungszeitraums, der frühestens im April 1968 begann, wurden 556.703 Personenjahre analysiert. Rein rechnerisch hätte man in einer Normalpopulation 45.91 Fälle von Multipler Sklerose erwartet. Tatsächlich traten in dieser Population aber 104 Fälle einer Multiplen Sklerose auf. Dies entspricht einer Erhöhung des Risikos um das 2.27-fache, wenn eine Person im Laufe ihres Lebens an einer infektiösen Mononukleose gelitten hat.

Weitere interessante Ergebnisse konnte man aus den umfangreichen Daten ableiten: Das Risiko einer Multiplen Sklerose bei vorausgehender infektiösen Mononukleose war für beide Geschlechter erhöht, wenn auch für Männer sogar noch etwas höher als für Frauen. Je älter die Personen waren, als die Infektion auftrat, desto geringer wurde das Risiko einer Multiplen Sklerose und näherte sich bei den 15- bis 19-Jährigen dem Risiko der Normalbevölkerung an.

Interessant auch die zeitliche Analyse: Das Risiko der Multiplen Sklerose nach einer infektiösen Mononukleose steigt erst etwa zehn Jahre nach der Infektion an, bleibt dann aber für mindestens 30 Jahre auf dem erhöhten Niveau. Die Schwere der vorausgegangenen Infektion hatte keinen Einfluss auf das Multiple Sklerose-Risiko. Ebenso wenig die Frage, ob die Patienten damals ambulant wegen ihre Infektion behandelt wurden oder im Krankenhaus.

MEDICA.de; Quelle: Archives of Neurology 2007, Vol. 64, S. 72-75