Infektionen bei sehr kleinen Frühgeborenen lebensbedrohlich

Neugeborene, die vor der Beendigung von 22 Schwangerschaftswochen zur Welt kommen, haben so gut wie keine Überlebenschance – Erfolgsmeldungen aus einzelnen Kliniken ändern an dieser Tatsache nichts. Kann die Schwangerschaft bis zum Ende der 24. Woche erhalten bleiben, so liegt heute in Deutschland die Überlebenschance bei etwa 50 Prozent, auch wenn bei 20 bis 30 Prozent der Kinder Spätschäden zurückbleiben. Um diesen Kindern eine Chance zu erkämpfen, werden sie in hoch spezialisierten Frühgeborenen-Abteilungen heute mit einem immensen menschlichen und technologischen Engagement und oft erstaunlichen Erfolgen versorgt und in ihr Leben hineingeführt. Ohne Intensiv-Neugeborenenmedizin würde keines dieser Kinder überleben.

Das Immunsystem eines Feten funktioniert völlig anders als das eines Erwachsenen: Es ist darauf hin ausgerichtet, fremde Zellen zu erkennen, sie dann aber zu tolerieren. Hätte das embryonale Immunsystem diese Eigenschaft nicht, würde es die Zellen der Mutter als fremd erkennen und abstoßen und vielleicht auch die Zellen der eigenen, sich neu entwickelnden Organe. Erst im letzten Drittel der Schwangerschaft beginnt das Immunsystem des Kindes umzulernen; bis dahin sind die Zellen, die Proteine des Immunsystems produzieren, noch nicht voll entwickelt. Die Abwehr von Krankheitserregern ist während der Schwangerschaft überwiegend eine Aufgabe des mütterlichen Immunsystems.

Deshalb erhöht jeder einzelne Tag, der in einer Schwangerschaft gewonnen werden kann, die Chancen für das Baby, wie Friese betont. Zu den Maßnahmen, um eine Schwangerschaft zu verlängern, gehören

- Vorbeugung von Infektionen der Schwangeren, um einen vorzeitigen Blasensprung und vorzeitige Wehen zu verhindern

- körperliche und psychische Entlastung der Schwangeren am Arbeitsplatz, in Familie und Partnerschaft

- frühzeitige Entdeckung und sorgfältige Behandlung von Erkrankungen der Schwangeren

- strenge Bettruhe und gegebenenfalls ein Verschluss des Muttermunds durch die Geburtsmediziner, wenn sich die Anzeichen für eine bevorstehende Frühgeburt mehren

- Aufnahme der Schwangeren in einem Perinatalzentrum Level 1 mit ausreichender Erfahrung in der Behandlung sehr kleiner Frühgeborener, damit das Neugeborene nach der Geburt sofort von speziell ausgebildeten Neugeborenen-Ärztinnen und –Ärzten betreut werden kann ohne Transport in eine andere Klinik.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.