Ältere Menschen erkranken häufig an Infektionen des Respirationstrakts oder der Harnwege. Ein Grund dafür ist, dass sich das Immunsystem im Alter abschwächen kann. Zugleich haben verschiedene Studien gezeigt, dass ältere Menschen nicht selten einen erheblichen Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen haben.

Daher kann man vermuten, dass sich die Zahl der Infektionen bei älteren Menschen senken lässt, wenn man Vitamin- und Mineralstoffmangel ausgleicht. Das untersuchte jetzt eine Studie, an der 910 Männer und Frauen im Alter über 65 Jahren teilnahmen. Keiner von ihnen nahm Vitamin- oder Mineralsupplemente ein. Ein Jahr lang erhielten sie randomisiert täglich eine Tablette mit einer Kombination aus verschiedenen Vitaminen und Mineralien oder Placebo. Zugleich bat man die Damen und Herren, in einem Fragebogen über ihren Gesundheitszustand, die Zahl der Tage, an denen sie krank waren und über ihre Lebensqualität zu berichten.

Das Ergebnis war enttäuschend für alle Verfechter von Nahrungssupplementen: Die Zahl der Arztbesuche wegen Infektionen war in beiden Gruppen gleich, ebenso die Zahl der Tage, an welchen die Probanden an einer Infektion litten. Auch die Lebensqualität blieb in beiden Gruppen dieselbe.

Als man zwischen beiden Gruppen die Zahl der verschriebenen Antibiotika, die Aufnahmen im Krankenhaus, die Rate unerwünschter Nebenwirkungen der eingenommenen Substanz und die Komplikationen verglich, zeigte sich ebenfalls kein signifikanter Unterschied.

Dies steht im Gegensatz zu verschiedenen Studien, die einen positiven Effekt von Nahrungssupplementen bei älteren Menschen gefunden haben, die an einem erheblichen Defizit leiden. Möglicherweise lautet der Schluss: Wer zu wenig Vitamine und Mineralien hat, profitiert von Nahrungsergänzungen. Bei halbwegs normalen Spiegeln dagegen geht der Nutzen gegen Null.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2005, Vol. 31, S. 324-329