Infektionsexperten in der Klinik senken Sterblichkeit

31.03.2015
Foto: Infektiologe im Labor

Der Vorfall am UKSH Kiel hat gezeigt: Klinische Infektiologie als interdisziplinäres internistisches Fach wird immer wichtiger; © panthermedia.net/Alexander Raths

Zwischen 10.000 und 15.000 Menschen sterben nach derzeitigen Schätzungen jährlich in deutschen Kliniken an Krankenhausinfektionen. Studien zeigen, dass die Überlebenschancen von Patienten mit Infektionen steigen, wenn ein Spezialist für Infektionskrankheiten in die Behandlung eingebunden ist. Dafür brauche es eine starke Infektiologie, meint die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Die DGIM begrüßt deshalb auch den Zehn-Punkte-Plan von Bundesgesundheitsminister Gröhe gegen multiresistente Erreger.

Wenn Menschen an Infektionen erkranken, sei es durch Viren oder Bakterien, kann dies lebensbedrohlich sein – insbesondere wenn die Erreger sehr widerstandsfähig sind. "Die Sterblichkeit von Patienten ist beispielsweise erhöht, wenn Ärzte nicht sofort das richtige Antibiotikum einsetzen und die Patienten optimal weiterbetreuen", warnt Privatdozentin Dr. med. Norma Jung vom Universitätsklinikum Köln. Der weitere Verlauf der Infektion hänge dann unmittelbar von der Expertise des Klinikpersonals ab: Studien zeigen, dass Erkennen und Behandlung von Infektionen bei Krankenhauspatienten besser verlaufen, wenn sich der behandelnde Arzt mit einem Infektiologen berät. Besonders deutlich ist dieses Ergebnis für gefährliche Blutstrominfektionen mit dem Erreger Staphylococcus aureus. Aber auch Patienten mit einer Entzündung des Herzens, einer Endokarditis, profitieren von einem interdisziplinären Ärzte-Team mit einem Kardiologen, einem Herzchirurgen und einem Infektiologen. "Dieser Konsilservice kann lebensrettend sein", so Jung.

Auch bei Krankenhausinfektionen helfen diese fachübergreifenden Teams: Bei neuartigen oder "multiresistenten" Erregern, gegen die nur wenige Antibiotika wirken, sollte ein Infektiologe beratend eingreifen. "Es ist nötiger denn je, dass wir die verbliebenen wirksamen Antibiotika effektiv einsetzen", betont Jung. Eine infektiologische Beratung sollte dabei häufiger zu einem gezielten Einsatz der richtigen Präparate führen und den unkritischen Einsatz von Breitbandantibiotika mindern. Geschehe diese nicht, gingen uns bald die wirksamen Medikamente aus, meint Jung.

Gemäß dem aktuellen Zehn-Punkte-Plan des BMG sollen Wissenschaft und Industrie dafür gemeinsam Lösungen erarbeiten. Dazu gehört auch, Forschung an Krankenhausinfektionen und Antibiotika zu fördern. Die DGIM setzt sich dafür mit ihren Korporativen Mitglieder bereits seit vielen Jahren ein: "Vorbehalte und Barrieren zwischen diesen beiden Bereichen dürfen nicht dazu führen, dass am Ende die Patienten darunter leider und nicht zuletzt der Forschungsstandort Deutschland", betont der Vorsitzende der DGIM, Professor Dr. med. Michael Hallek aus Köln.

Im internationalen Vergleich liegen deutsche Kliniken mit ihrer infektiologischen Expertise derzeit zurück. Schätzungen zufolge fehlen allein in Krankenhäusern mindestens 1.000 qualifizierte Fachkräfte. Auch ist die Infektiologie als eigener Fachbereich nur selten vertreten. "Es müssten dringend mehr Weiterbildungsstellen geschaffen werden, um ausreichend Infektiologen für ihre Arbeit zu qualifizieren", sagt Dr. Norma Jung, die auf dem Kongress das Thema in einer Pressekonferenz beleuchtet. Internistische Infektiologen engagieren sich in der Fortbildung im Bereich der rationalen Antiinfektivaverordnung – dies spricht auch der Zehn-Punkte-Plan von Bundesgesundheitsminister Gröhe an. Es Bedarf Fortbildungen durch klinisch erfahrene Kollegen, die Befunde in der Zusammenschau interpretieren und daraus Entscheidungen am Krankenbett im Sinne des Patienten fällen können.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V.

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