03.04.2009

ZVEI - Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V.

Innovationsorientierte Gesundheitswirtschaft stabilisiert Gesamtwirtschaft

Frankfurt am Main, 31. März 2009 – „Die Gesundheitswirtschaft, insbesondere die Elektromedizinische Technik, zeigt sich derzeit als weitgehend krisenfeste Zukunftsbranche und sollte aufgrund ihrer Größe und Dynamik politisch mehr Anerkennung und Unterstützung finden“, appelliert der Vorsitzende des ZVEI-Fachverbands Elektromedizinische Technik, Jochen Franke. Kurzfristig bestehe die Aussicht, dass das Geschäft der elektromedizinischen Industrie nur geringfügig zurückgehe. Das nähre die Hoffnung, dass die Branche vom weltweiten Wirtschaftsabschwung nur vergleichsweise gering betroffen werde. Dass im Konjunkturpaket II Investitionen im Krankenhausbereich explizit gefördert würden, zeige die richtige Perspektive auf. Allerdings sei das Volumen angesichts des bestehenden Investitionsstaus zu gering.

Der Gesamtumsatz der Branche konnte nach Angaben des Fachverbands im Jahr 2008 auf gut eine Mrd. Euro gesteigert werden (+2,1 Prozent). Auf das größte Segment Bildgebende Diagnostik entfielen dabei knapp 480 Mio. Euro (+7,7 Prozent). Insbesondere die Produktgruppe Magnetresonanztomographie, deren uneingeschränkte Anwendung während der europaweiten Diskussion einer Arbeitsschutzrichtlinie im vorletzten Jahr gefährdet schien, konnte nach einem Rückgang im Jahr 2007 wieder deutlich zulegen und erreicht nach zweistelligem Zuwachs wieder das Niveau von 2006.

Der Markt für Geräte zur Ultraschalldiagnostik entwickelte sich mit einem Umsatzplus von 1,6 Prozent bei rund 220 Mio. Euro stabil. Der Umsatz im Bereich Medizinelektronik, z.B. Patientenüberwachung und Anästhesie, ging hingegen um fast neun Prozent zurück und betrug knapp 290 Mio. Euro.

Franke zeigt sich keinesfalls zufrieden mit der aktuellen Situation der Branche, relativiert seine Einschätzung aber vor dem Hintergrund des Abwärtstrends anderer Branchen. Die Daten zum Auftragseingang deuten laut Fachverband auch in der Medizintechnik auf eine „Delle“ im Jahr 2009 hin (minus ein Prozent), deren Ausmaß erst zur Jahresmitte klarer einzuschätzen sein wird. „In der Modernisierung der Gesundheitsinfrastruktur liegt der Schlüssel zum Ausbau eines inter¬nationalen Leitmarkts für Gesundheit und Medizintechnik“, mahnt Franke. Der Umsatz mit Gesundheitsleistungen von 260 Mrd. Euro, immerhin elf Prozent des Bruttoinlandsprodukts, und bald 4,5 Millionen Beschäftigte, beweisen die enorme Bedeutung der Gesundheitswirtschaft für Deutschland. Viele Faktoren wie die Demographie und das steigende Gesundheitsbewusstsein der Menschen lassen erwarten, dass sich der Gesundheitsmarkt in den nächsten Jahren dynamisch entwickeln wird.

Derzeit sieht der Fachverband aber noch erheblichen Nachholbedarf in der Innovationsorientierung des Gesundheitssystems. Im Rahmen des Konjunkturpakets II, das explizit für nachhaltige Infrastrukturausgaben gedacht ist, stehen aktuell bundesweit rund 1,2 Mrd. Euro für Klinikinvestitionen zur Verfügung. Franke: „Die tatsächliche Verteilung dieses Volumens auf Ebene der Länder und Kommunen und die politisch vorübergehend unterstützte Beschleunigung der Vergabeprozesse bei Ausschreibungen werden darüber entscheiden, inwieweit kurzfristig ein spürbarer Impuls zustande kommt“. Eine künftig stärkere Innovationsorientierung der Gesundheitswirtschaft könne über die aktuelle Krise hinaus über mehr Wachstum und Beschäftigung fraglos der gesamten Volkswirtschaft den Rücken stärken.