Aneurysmen: Innovative Gefäßprothese

15.03.2013

Foto: Bilderreihe zur Gefäßprothese

Die Bilderreihe demonstriert den Einsatz der neuen Gefäßprothese; © Universitäsklinikum Heidelberg

Heidelberger Gefäßchirurgen implantierten eine neue Gefäßprothese bei Aorten-Aneurysma. Sie versiegelt die Hauptschlagader im Bereich der Gefäßaussackung durch Kunststoff, der Einrisse, Blutungen und Folgeeingriffe verhindert.

Die Klinik für Gefäßchirurgie und Endovaskuläre Chirurgie am Universitätsklinikum Heidelberg hat erstmals in Deutschland eine neue Prothese eingesetzt, die einen wesentlichen Fortschritt für die Behandlung der gefährlichen Aussackung der Hauptschlagader (Aorta), des sogenannten Bauchaorten-Aneurysmas, bedeuten könnte: Die Prothese, die schonend über die Leiste eingebracht wird, versiegelt die Gefäßwand komplett. Dadurch werden der gefürchtete Einriss des Blutgefäßes sowie kleine Blutungen in die Schlagader verhindert, wie erste Erfahrungen mit der Prothese im Ausland bereits gezeigt haben.

„Wir haben am 3. Februar bei zwei Patienten, die ein großes Aneurysma der Bauchschlagader hatten, die neue Prothese erfolgreich eingesetzt“, berichtet Professor Dittmar Böckler, Ärztlicher Direktor der Heidelberger Klinik für Gefäßchirurgie und Endovaskuläre Chirurgie. Beide Patienten haben den Eingriff gut überstanden. Die Heidelberger Chirurgen konnten auf die positiven Ergebnisse von rund 50 Implantationen der neuen Prothese an zwei Gefäßzentren in Neuseeland und Litauen bauen. Die Heidelberger Klinik nimmt nun als eine von 20 Kliniken weltweit an einer klinischen Studie teil, die Effektivität und Risiken der neuen Prothese klären soll.

„Bei den Gefäßendoprothesen, die bislang eingesetzt werden, sind wir mit den Ergebnissen unmittelbar nach dem Eingriff in der Regel sehr zufrieden. Im weiteren Verlauf gibt es aber einige gravierende Risiken“, so Professor Böckler. Im Lauf der Zeit können die Endoprothesen verrutschen oder das Aneurysma kann über Seitenäste erneut durchblutet werden, die Aorta kann sogar einreißen. Deswegen müssen die Patienten lebenslang beobachtet werden, bei rund 18 Prozent sind erneute Eingriffe erforderlich.

Die neue Prothese soll nun diese Nachteile überwinden. Sie besteht aus zwei flexiblen Gefäßrohren (Stents aus Polyester und Maschendraht), die mit jeweils einem Katheter unter Röntgenkontrolle über die rechte und linke Leistenarterie in den Bereich des Aneurysmas vorgeschoben werden und den Blutfluss in die Beinarterien offenhalten. Die Stents sind von einem Kunststoffsack umgeben, in den Kunststoffmasse (Polymer) gespritzt wird, sodass er sich aufbläht und das Volumen der Aorta beziehungsweise des Aneurysmas durch den sich aushärtenden Kunststoff komplett versiegelt wird. „Dadurch sitzt die Prothese im Gefäß fest und kann nicht verrutschen“, erklärt Böckler.

„Wir hoffen, dass wir mit der neuen Endoprothese gerade älteren Patienten helfen können, bei denen ein Eingriff bislang zu riskant gewesen wäre“, sagt Professor Böckler. „Folgeeingriffe werden dadurch zukünftig für unsere Patienten vermieden“, so Böckler.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg