Intensivmedizin; zwingend multidisziplinär!

Foto: Professor Hugo Van Aken

Professor Hugo Van Aken, Direktor
der Klinik und Poliklinik für
Anästhesiologie und operative
Intensivmedizin des UKM;© privat

Um die Attraktivität der Intensivmedizin für junge Ärzte zu erhöhen und die Kompetenz der Intensivmediziner systematisch zu verbessern, gibt es in der Europäischen Union Überlegungen, die Intensivmedizin zu einem eigenständigen primären ärztlichen Fachgebiet auszubauen. Diese Pläne bedürfen jedoch der genaueren Betrachtung.

Derzeit ist die Intensivmedizin nur in Spanien, Großbritannien und der Schweiz als eigenständige primäre Facharztbezeichnung anerkannt. In zehn EU-Ländern, darunter Deutschland, ist die Intensivmedizin dagegen eine Zusatzweiterbildung für Fachärzte verschiedener Fachgebiete wie Anästhesisten, Herzchirurgen, Kardiologen, Internisten, Neurologen, Neurochirurgen, Pädiatern, Pneumologen und Thoraxchirurgen. In vielen weiteren europäischen Ländern ist die Intensivmedizin Teil der Ausbildung zum Anästhesisten.

2008 votierten sowohl die Vertreter der neun mit der Intensivmedizin befassten Fachgebiete als auch die European Union of Medical Specialists UEMS mit überwältigender Mehrheit gegen die Idee, die Intensivmedizin zu einem eigenständigen primären medizinischen Fachgebiet auszubauen. „Die Gründe dafür“, so Professor Hugo Van Aken, „liegen auf der Hand. Die Intensivmedizin ist einfach zu komplex, um nur von einer medizinischen Fachrichtung abgedeckt zu werden.

Wir brauchen vielmehr die intensive Kooperation zwischen Fachärzten, die die jeweilige Grundkrankheit kompetent behandeln können, Spezialisten für die Behandlung von Organversagen und weiteren Experten für besondere klinische Problemstellungen.“ Eine Abspaltung der Intensivmedizin als eigenständige Fachrichtung, so Van Aken, würde den zwingend notwendigen multidisziplinären Ansatz eher behindern als fördern.

Wie die Mehrheit seiner Kollegen ist er davon überzeugt, dass eine qualifizierte intensivmedizinische Betreuung kritisch kranker Patienten nur durch die multidisziplinäre Zusammenarbeit sichergestellt wird. Nichtsdestotrotz benötigen Intensivstationen eine klar definierte Hierarchie mit einem Leiter, der den reibungslosen Verlauf der Patientenversorgung gewährleistet. Dieser Leiter kann jedoch aus unterschiedlichen Facharztbereichen rekrutiert werden. Wichtig erscheint jedoch, dass alle an der Intensivmedizin beteiligten Fachärzte eine spezielle intensivmedizinische Weiterbildung absolvieren und so die Zusatzweiterbildung Intensivmedizin nach einer Prüfung erwerben.

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