Nosokomiale Infektion ist eines der größten Probleme auf Intensivstationen. Schwierig ist zu beurteilen, wie stark die Letalität auf Intensivstationen durch solche Infektionen beeinflusst wird.

Dies untersuchten nun Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover und des Klinikums Charite in Berlin. Sie nutzten dafür das Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System (KISS), welches 1997 als nationales SurveillanceProjekt für die freiwillige Erfassung von nosokomialen Infektionen in Deutschland startete.

Auf den Intensivstationen liegt der Schwerpunkt der Infektionserfassung auf der Pneumonie und der primären Sepsis. In jedem Falle einer auf der Intensivstation erworbenen Pneumonie oder primären Sepsis wird erfasst, ob der Patient verstorben ist. Die Ergebnisse einer aktuellen französischen Studie und Daten des Statistischen Jahrbuches wurden für eine Hochrechnung benutzt, wie häufig diese auf der Intensivstation erworbenen Infektionen die direkte Todesursache in Deutschland waren.

Die Analyse basiert auf den Daten von 897.774 Intensivpatienten aus dem Zeitraum Januar 1997 bis Juni 2004. Die Letalität der Patienten mit nosokomialer Pneumonie betrug 8,8 Prozent, die der Patienten mit primärer Sepsis 10,9 Prozent. Bei etwa 1.131 Patienten unter den 3.554 verstorbenen Intensivpatienten mit nosokomialer Pneumonie oder primärer Sepsis war die nosokomiale Infektion die Todesursache. Es wird hochgerechnet, dass pro Jahr in etwa 2.400 Fällen die auf den Intensivstationen erworbenen Pneumonien und primären Septikämien die direkte Todesursache sind.

Wegen der ermittelten hohen Letalität bei Patienten mit nosokomialen Infektionen auf Intensivstationen haben Präventionsmaßnahmen eine wesentliche Bedeutung. Studien zur Optimierung der Präventionsmaßnahmen sind sehr wünschenswert.

MEDICA.de; Quelle: Anasthesiol Intensivmed Notfal 2005, Vol. 40, S. 267-272