Interleukin-37 hemmt die Immunabwehr

„Die konkrete Aufgabe von Interleukin-37 war bisher völlig unbekannt“, erklärt Privatdozent Philip Bufler, Klinikum der Universität München. Gemeinsam mit Professor Charles Dinarello, Universität Colorado Denver, und Doktor Marcel Nold, Monash Institute of Medical Research, Melbourne, konnte er jetzt zum ersten Mal zeigen, dass Interleukin-37 die Immunantwort bremst und dadurch stark entzündungshemmend wirkt.

Unser Immunsystem ist unablässig damit beschäftigt, Krankheitserreger zu bekämpfen. Kommt es zu einer Infektion, werden von Zellen unter anderem Interleukine ausgeschüttet. Bei den Interleukinen handelt es sich um eine Molekülfamilie, deren Mitglieder unterschiedliche Aufgaben ausführen. Alle modulieren die Immunantwort, allerdings nicht immer in die gleiche Richtung: Während einige Interleukine die Immunreaktion verstärken, bremsen andere die Immunabwehr. Der „Urtyp“ ist IL-1ß, das die Immunreaktion stark stimuliert. IL-37 wurde vor etwa zehn Jahren mithilfe von genetischen Analysen entdeckt und derselben Familie wie IL-1 zugeordnet, die Funktion dieses Moleküls war bisher allerdings unklar.

Seine immundämpfende Wirkung entdeckten die Forscher durch Untersuchungen an Zellkulturen, die mit Lipopolysacchariden behandelt wurden. Lipopolysaccharide sind Bestandteil von Bakterienzellwänden und lösen heftige Entzündungsreaktionen aus. Nach der Behandlung mit Lipopolysacchariden fanden die Wissenschaftler in den Zellkulturen, die kein IL-37 bilden konnten, verstärkt entzündungsfördernde Botenstoffe. In Zellen, die IL-37 produzieren konnten, bestand dagegen ein Schutz vor überschießenden Entzündungsreaktionen. Dasselbe Bild zeigte sich auch bei der Untersuchung transgener Mäuse.

„Hoch spannend ist dabei vor allem, dass IL-37 auf so breiter Ebene die Immunantwort moduliert und dabei zwei unterschiedliche Wirkorte hat“, erklärt Bufler. „Und zwar wirkt es sowohl außerhalb als auch in der Zelle.“ Innerhalb der Zelle greift IL-37 in den TGF/ß-Signalweg ein, der entzündungshemmende Reaktionen vermittelt. Diese Kreuzverbindung eines Botenstoffs der Interleukin-1 Familie mit einem unverwandten Signalweg – in diesem Fall dem TGF/ß-Signalweg – war bisher noch nicht bekannt und zeigt die ganze Komplexität der intrazellulären Vorgänge.


MEDICA.de; Quelle: Ludwig-Maximilians-Universität München