Militärische Versorgungsübung/ Foto: Bundeswehr, Pulpanek

Internationale DiMiMED-Konferenz stellt sich anlässlich der MEDICA aktuellen Fragen zur zivil-militärischen Kooperation

Kompetenzen in Katastrophen- und Militärmedizin effizient bündeln

Parallel zur MEDICA, der weltweit größten Medizintechnik-Messe, findet in diesem Jahr bereits zum dritten Mal die International Conference on Disaster and Military Medicine statt. Die DiMiMED beschäftigt sich in diesem Jahr insbesondere mit den Einsätzen in Krisengebieten, wobei in Hinblick auf zunehmende humanitäre Hilfeleistungen in den Katastrophengebieten auch die zivilen Hilfsorganisationen und deren Leistungen betrachtet werden. Neben Plenary Lectures zu Innovationen und wissenschaftlichen Fragestellungen in der Katastrophen- und Militärmedizin, geht es im interaktiven Simulations-Workshop um die praktische Umsetzung von Hilfsmaßnahmen bei Großschadenereignissen. Weitere Themenschwerpunkte werden unter anderem eine Session zur Katastrophenmedizin im internationalen Vergleich sowie ein Vortragsblock für Industrievertreter zu Aspekten der Beschaffung von Medizintechnik durch die Bundeswehr und die NATO sein. Die DiMiMED steht unter der Schirmherrschaft des MEDICAL CORPS INTERNATIONAL FORUM (MCIF) und wird gemeinsam vom Beta Verlag und der Messe Düsseldorf organisiert. Erwartet werden am 17.-18.11.2015 im CCD Süd rund 50 internationale Referenten und 200 Teilnehmer. Das MCIF ist das einzige unabhängige Magazin, das sich an die Sanitätsdienste weltweit richtet. Eine hochrangige Fachredaktion stellt aktuelle Beiträge mit internationaler Bedeutung aus der Praxis für die Praxis zusammen, die sich an das Fachpublikum in der Militärmedizin in über 180 Ländern richten.

Ob in militärischen Auseinandersetzungen, bei Terroranschlägen, Naturkatastrophen oder Seuchenausbrüchen, die weltweite Zunahme an Krisenherden erfordert eine nachhaltige Sicherstellung der medizinischen Versorgung. Dabei deckt die Militärmedizin ein breites Versorgungsspektrum ab. „Wir haben in diesem Jahr einen deutlichen Schwerpunkt auf den Bereich der Katastrophenmedizin gelegt, da sich für viele Sanitätsdienste weltweit der Einsatzschwerpunkt dahin verlegt hat bzw. sie zumindest neben den Militärmissionen vermehrt in Katastropheneinsätze eingebunden sind“, so Admiralstabsarzt a.D. Dr. med. Christoph Büttner, wissenschaftlicher Leiter der DiMiMED.

An zwei Tagen erwartet die rund 200 Experten aus Medizin, Industrie und Logistik ein breites Themenspektrum, das von rund 50 international renommierten Referenten in Plenary Lectures und erstmals auch in vertiefenden Parallel Sessions vorgestellt und gemeinsam diskutiert wird. Mit einem Blick zurück resümiert der zweite wissenschaftliche Leiter, Brigadegeneral a.D. Dr. med. Rob van der Meer: „Ich war einer der beiden Tagungsleiter der DiMiMED 2014 und somit Zeuge eines fruchtbaren Austauschs von Informationen und Ideen. Der Schwerpunkt des Interesses verschob sich offenkundig von praktischen medizinischen Erfahrungen in Asien hin in Richtung Afrika. Die Entwicklung neuer Technologien und ihre zukünftige Anwendung bei den Streitkräften spielte ebenfalls eine wichtige Rolle, angefangen bei ganz simplen Methoden bis hin zu aufwendigen Abläufen und auch Evaluationsprozessen.“ Eine konzeptionelle Weiterentwicklung unter Schwerpunktsetzung war somit bereits vorgezeichnet.

Simulationsworkshop sensibilisiert für Großschadenereignis in Düsseldorf

Ein besonderes Highlight wird der Simulationsworkshop mit einem Katastrophenszenario sein. „Dieses wurde von uns bewusst am Beispiel Düsseldorf ausgesucht, denn das ‚Boston-Attentat’ kann jederzeit in jeder Stadt passieren. Hierzu haben wir gezielt neben den militärischen Gästen die Verantwortlichen aus den Innenministerien und Polizeipräsidien eingeladen. Ich will diese Zielgruppe motivieren, ähnliche Trainings-Szenarien für ihren Verantwortungsbereich durchzuführen, was mitunter auch schon geschieht“, erklärt Dr. Büttner und verweist dabei auf die Kooperation mit CAE Healthcare, welche unter anderem die medizinische Simulationstechnologie zur Verfügung stellt.

Flüchtlingsproblematik zeigt drängende medizinische Probleme

Die Session zur „Disaster Medicine & Crisis Prevention“ wird von Prof. Dr. med. Leo Latasch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Katastrophenmedizin (DGKM) geleitet. Seiner Einschätzung nach sind die drängendsten Probleme, die es – national wie international – zu thematisieren gilt: „die medizinische Versorgung der weltweit riesigen Anzahl von Flüchtlingen, die Frage eines gemeinsamen (!) Vorgehens bei Epidemien und Seuchen sowie die Aufgabe des Militärs national bei Fragen wie Flüchtlingsversorgung und Naturkatastrophen vor dem Hintergrund, warum kommen wir, wenn überhaupt, immer als letztes?“

Beschaffungsprozesse für die Industrie transparent machen

Last not least der Workshop „Military Procurement for Industry Partners“, bei dem die Beschaffungsprozesse in der Militärmedizin am Beispiel der Bundeswehr und der NATO erläutert werden. Die Session richtet sich insbesondere an Industrievertreter, die künftig ihr Produktportfolio für spezielle militärische Anforderungen in Basis und Einsatzland anbieten wollen. „Grundsätzlich sind wir an nahezu allen medizinischen Versorgungs- und Indikationsbereichen interessiert. Dabei sind einige Bereiche, wie die Pädiatrie oder Geriatrie, nur selten im Fokus – wenn beispielsweise humanitäre Hilfsaktionen nach Erdbeben oder wie im Falle des Tsunami in Südostasien anlaufen. Immer bedeutsam hingegen ist das große Gebiet der Notfall- und Rettungsmedizin – insbesondere unter den fordernden Bedingungen unserer Auslandsmissionen“, erklärt Oberstapotheker Dr. Ullrich Kindling, Referatsleiter U3.5, Wehrpharmazie, Sanitätseinrichtungen und Sanitätsausstattungen beim Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw).
In dieser, wie auch in allen weiteren Sessions, wie der Infektiologie/Hygiene, Traumatologie, dem Schutz vor Auswirkungen von chemischen, biologischen, radiologischen und nuklearen Gefahren sowie ausgewählten Fragen zum Gesundheitsschutz von Einsatzkräften, sind Speaker Slots sowohl für Vertreter der Wissenschaft als auch der Industrie vorgesehen. Dies unterstützt nicht nur den interdisziplinären Ansatz, sondern bietet auch Möglichkeiten zur Anbahnung von Forschungs- und Entwicklungskooperationen.

Erstmals wird es bei der DiMiMED eine Poster Ausstellung mit Verleihung eines Posterpreises geben. Anlässlich der Konferenz wird vom MEDICAL CORPS INTERNATIONAL FORUM der Ambroise Paré Award für die beste wissenschaftliche Veröffentlichung in der MCIF aus dem Bereich der Militärmedizin und -pharmazie verliehen.

Autor: Nina Passoth

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