Internationale Referenzwerte für die kindliche Gesundheit

29.09.2014
Foto: Kinder sitzen rund um eine Weltkugel

Die nun veröffentlichten medizinischen Referenzwerte für Kinder leiten sich von Daten des EU-Projekts IDEFICS ab, der bislang größten Studie zur Erforschung von lebensstil- und ernährungsbedingten Erkrankungen bei Kindern; ©serrnovik/ panthermedia.net

Ob für Blutdruck, Cholesterin oder Blutzucker: Referenzwerte sind wichtige Orientierungspunkte in der ärztlichen Praxis, denn sie können auf bestimmte Risiken und Krankheiten hinweisen, zum Beispiel auf Bluthochdruck, Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes.

Für Erwachsene liegen solche Vergleichswerte umfangreich vor und gehören standardmäßig zur medizinischen Untersuchung – nicht aber bei Kindern. Diese Lücke will der Sonderband der international renommierten Fachzeitschrift "International Journal of Obesity" (IJO-Supplement) schließen, der jetzt erscheint. Die dort veröffentlichten medizinischen Referenzwerte für Kinder leiten sich von Daten des EU-Projekts IDEFICS ab. Dabei handelt es sich m die bislang größte Studie zur Erforschung von lebensstil- und ernährungsbedingten Erkrankungen bei Kindern, die das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS gemeinsam mit der Universität Bremen koordinierte.

Referenzwerte sind wichtige Orientierungspunkte in der ärztlichen Praxis. Sie werden bei Erwachsenen standardmäßig genutzt, um Untersuchungsergebnisse zu beurteilen und therapeutische Entscheidungen zu treffen. Bei Kindern ist dies eher die Ausnahme: Außer den klassischen anthropometrischen Referenzwerten wie für Kopfumfang, Körpergewicht und -größe sowie Body-Mass-Index (BMI) fehlen Kinderärzten bislang insbesondere klinische Vergleichswerte, anhand derer sie beispielsweise das Risiko für spätere Herz-Kreislauferkrankungen beurteilen oder Frühstadien von Diabetes erkennen können. Ohne dieses Wissen ist eine frühzeitige und gezielte Intervention zur Vermeidung von dauerhaften Schäden bei Kindern mit erhöhtem Erkrankungsrisiko nicht möglich.

Referenzwerte für Kinder und Jugendliche zu bestimmen, ist komplexer als für Erwachsene, da entwicklungsbedingte Veränderungen berücksichtigt werden müssen. Ein verlässliches Referenzsystem kann nur entstehen, wenn eine große gesunde Population vorhanden ist, bei der die gesundheitsrelevanten Werte mit standardisierten und qualitätsgesicherten Verfahren für jede Altersgruppe bestimmt werden. Die IDEFICS-Studie, in der gesundheitsrelevante Werte bei mehr als 18.000 zwei- bis elfjährigen Kindern gemessen wurden, hat hierfür die ideale Datengrundlage geboten. Mit der Veröffentlichung stehen die Referenzwerte wichtiger medizinischer Parameter für Kinder nun auch der kinderärztlichen Praxis zur Verfügung.

Im IJO-Supplement sind unter anderem Referenzwerte zu anthropometrischen Größen wie Hautfaltendicke, Nacken- und Hüftumfang, zu Insulin und Glucose, zu Blutlipiden, Cholesterin, Knochensteifigkeit und zum Blutdruck für die Altersstufen von zwei bis elf Jahren aufgeführt. Bei den Referenzwerten für die Knochensteifigkeit und den Blutdruck wird neben dem Alter und dem Geschlecht auch die Größe des Kindes berücksichtigt. Insbesondere für die Identifizierung von Stoffwechselstörungen bieten diese Referenzwerte eine hervorragende Grundlage.

Professor Wolfgang Ahrens, Koordinator der IDEFICS-Studie und Leiter der Abteilung "Epidemiologische Methoden und Ursachenforschung" am BIPS, erklärt: "Wir freuen uns, die ärztliche Diagnostik und Behandlung von Kindern mit den neu berechneten Referenzwerten zu verbessern. Besonders ist hierbei: Die Referenzwerte sind nicht nur für Deutschland, sondern auch für ganz Europa und darüber hinaus relevant, da wir bei der Berechnung auf Daten der IDEFICS-Studie aus acht europäischen Ländern zurückgreifen konnten."

MEDICA.de; Quelle: Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS