Geschlechtsverkehr mit einer Schwangeren um den Zeitpunkt der errechneten Geburt herum kann die Wehen beschleunigen. Dies lässt sich physiologisch begründen: Sperma enthält Prostaglandin E, das als „Zervixöffner“ dient. Außerdem stimuliert die Massage der Brüste gemeinsam mit dem Geschlechtsverkehr als solchem und einem Orgasmus den Uterus. Trotz dieser überzeugenden Hinweise gibt es bislang kaum fundierte Daten, die beweisen, dass Geschlechtsverkehr zum Zeitpunkt des errechneten Geburtstermins die Geburt tatsächlich beschleunigen kann.

Nun kommen solche fundierten Daten aus einer Studie mit 241 gesunden Frauen aus Kuala Lumpur, Malaysia. Alle Frauen waren schwanger ohne Komplikationen. Sie wurden gebeten, ab der 36. Schwangerschaftswoche ein Tagebuch über ihre sexuellen Aktivitäten zu führen und einen Fragebogen auszufüllen.

Als man die Aufzeichnungen mit der Schwangerschaftsdauer verglich, zeigte sich ein klarer Zusammenhang zwischen Geschlechtsverkehr und Schwangerschaftsdauer: Bei jenen Frauen, die zum Zeitpunkt der errechneten Geburt Geschlechtsverkehr hatten, kam es deutlich seltener zu einer Übertragung des Kindes: das Risiko sank um 72 Prozent (p kleiner 0.001). Das Risiko, das Kind in die 41. Schwangerschaftswoche hinein zu tragen, sank um 90 Prozent (p kleiner 0.001). Um 92 Prozent geringer war zudem die Wahrscheinlichkeit, dass die Wehen in der 41. Schwangerschaftswoche künstlich eingeleitet werden mussten (p kleiner 0.001).

Natürlich kann man in diesem Falle auch die „number needed to treat“ errechnen: In der 39. Schwangerschaftswoche müssen rechnerisch fünf Paare Geschlechtsverkehr haben, um bei einer Frau eine künstliche Geburtseinleitung zu verhindern. Ob Paare in jener Zeit Geschlechtsverkehr haben oder nicht beeinflusst übrigens nicht die Rate der Kaiserschnitte.

MEDICA.de; Quelle: Obstetrics & Gynecology 2006, Vol. 108, S. 134-140