Viele Studien haben gezeigt, dass beschnittene Männer ein deutlich geringeres Risiko haben, sich beim Geschlechtsverkehr mit HIV zu infizieren. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass sich bei beschnittenen Männern kein Belag zwischen Vorhaut und Eichel bilden kann, der das Eindringen des HIV begünstigt. Wenn nicht die Existenz oder der Verlust der Vorhaut der springende Punkt ist, sondern die Sauberkeit, dann müssten "saubere" Männer mit guter Genitalhygiene folglich auch eine geringere Infektionsgefahr haben als Männer mit mangelhafter Genitalhygiene.

Genau diese Frage haben jetzt Wissenschaftler eines Krankenhauses untersucht. 386 unbeschnittne Männer nahmen an dieser Studie teil. Alle kamen aus der Gegend von Durban, Südafrika. Dort ist die Prävalenz der HIV-Infektion relativ hoch. Ärzte untersuchten die Männer im Genitalbereich. 80 Prozent der Probanden hatten einen nur leicht feuchten Film über der Eichel und dem Präputium, 18 Prozent wurden als „feucht“ eingestuft und zwei Prozent als „sehr feucht“ zwischen Vorhaut und Eichel. Zum Vergleich: Nur einer von 36 beschnittenen Männern war feucht um die Eichel.

45,9 Prozent der Männer, deren Eichel nur „leicht“ oder gar nicht feucht war, hatten sich mit HIV infiziert. Bei den Männern mit „feuchtem“ Penis waren dies aber 66,3 Prozent. Nachdem man verschiedene Störfaktoren herausgerechnet hatte, zeigte sich ein deutlicher Vorteil für eine gute Intimhygiene, die den Penis trocken hält: „Feuchte“ Männer haben demnach ein 2,27-fach höheres Risiko, sich mit HIV zu infizieren als „trockene“ Männer. Der Grad der Nässe unter der Vorhaut hatte keinen Einfluss auf das Infektionsrisiko.

Unbeschnittene Männer, die sich peinlich sauber und trocken halten, haben ein ähnlich relativ niedriges Infektionsrisiko wie beschnittene Männer.

MEDICA.de; Quelle: Journal of Aquired Immune Deficiency Syndrome 2006, Vol. 43, S. 69-77,117-118