„Es spricht alles dafür, dass sich Helicobacter pylori gleichzeitig mit dem anatomisch modernen Menschen von Afrika aus verbreitet hat“, sagt Professor Dr. Sebastian Suerbaum, Leiter der Medizinische Hochschule Hannover (MHH)-Abteilung Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene.

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung ist mit Helicobacter pylori, dem bakteriellen Erreger, der zu Magengeschwüren und Magenkrebs führen kann, infiziert. Die Wissenschaftler untersuchten repräsentative DNA-Sequenzen von 769 Helcobacter pylori-Bakterien aus 51 Ländern und verglichen die Muster mit denen in DNA-Proben vom Menschen. „Es ist eindrucksvoll, wie präzise sich menschheitsgeschichtliche Ereignisse in der Populationsstruktur von Helicobacter pylori abgebildet haben“, erklärt Professor Suerbaum.

Das Erbgut der Mikrobe verhält sich dabei wie ein Anhängsel an das menschliche Erbgut: Wenn sich eine Population von Menschen durch Völkerwanderungen von anderen Populationen entfernt hat, spiegelt sich das auch in ihrem Erbgut wider - und im Erbgut ihrer Magen-Bakterien. Je länger die zurückgelegten Wanderungswege sind, desto größer ist auch der Unterschied im Erbgut.

Helicobacter pylori existiert in sechs genetisch unterschiedlichen Haupttypen: drei afrikanischen, zwei asiatischen und einem europäischen Typ. „Wir konnten bei der Entwicklung dieser Typen und bei der Entwicklung der Menschheit so große Ähnlichkeiten feststellen, dass alles für eine parallele Evolution von Mensch und Mikrobe spricht“, sagt Professor Suerbaum. „Unsere Arbeit hilft bei der Entwicklung neuer Impfstoffe“, sagt Professor Suerbaum, da die Helicobacter-Typen unterschiedlich virulent seien und Impfstoffe möglichst gegen alle auf der Welt verbreiteten virulenten Erreger schützen sollten.

MEDICA.de; Quelle: Medizinische Hochschule Hannover