Jede Minute zählt: Rettungskräfte kämpfen gegen die Uhr

Wenn der Anruf bei der Leitstelle eingeht, muss es schnell gehen: Die Rettungskräfte sprinten zum Wagen, schießen auf die Straße und finden innerhalb weniger Minuten den Weg zum Patienten. Spätestens nach dreißig Minuten ist er im Krankenhaus angelangt, aus dem er hoffentlich bald wieder gesund entlassen wird. So zumindest die Theorie.

01.04.2014

 
Foto: Patientin wird vom Helikopter aus ins Krankenhaus geschoben; Copyright: panthermedia.net/Monkeybusiness Images

Innerhalb von dreißig Minuten sollen die Patienten in der Regel im Krankenhaus ankommen; ©panthermedia.net/ Monkeybusiness Images

Die Praxis sieht wie so oft leider anders aus. Das beginnt bereits bei der Wahl des Wohnortes. In der Regel erhalten (Groß-)Städter schneller Hilfe als Einwohner kleinerer Dörfer. Das leuchtet ein, da die Wege mit dem Rettungswagen zum Patienten auf dem Land schlicht weiter sind. Aus diesem Grund sucht man nach alternativen Hilfswegen, zum Beispiel aus der Luft, um etwa Herzinfarktpatienten zu helfen, bei denen jede Minute zählt. Bislang wurde in schweren Fällen zusätzlich zum bodengebundenen Rettungsdienst ein Rettungshubschrauber eingesetzt. Ausnahmen von diesem Zweiermodell gibt es nur in wenigen Ländern, zum Beispiel im australischen Outback.

Hintergrund ist, dass nach der ersten notärztlichen Versorgung der Transport im Wagen dem im Hubschrauber durchaus vorzuziehen sein kann, zum Beispiel weil der Patient stabilisiert werden konnte. Trotzdem gibt es Überlegungen, in naher Zukunft alleinige Luftrettungseinsätze zuzulassen, wenn es überzeugende Modelle hierfür gibt. Hier setzt zum Beispiel das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt PrimAir an, dessen Ziel "die Entwicklung und Darstellung eines Modells zur innovativen Gestaltung des Rettungsdienstes in flächengroßen, dünn besiedelten und strukturschwachen Gebieten" ist. Dabei bildet "eine luftgestützte präklinische Notfallrettung die Basis des Modells". Das Projekt, das auf drei Jahre angelegt wurde und noch weitere 1,5 Jahre laufen wird, muss jedoch noch verschiedene Probleme bewältigen. Denn es stellen sich Fragen: Welche bereits etablierten Rettungsdienste sollten zum Beispiel aufgegeben werden? Gibt es genug Stationen deutschlandweit, die für einen 24-h-Flugrettungsdienst zur Verfügung stehen (die Deutsche Rettungsflugwacht e. V. hat derzeit acht Stationen, die ADAC-Luftrettung drei)? Denn Nachtflüge sind derzeit an spezielle Bedingungen gebunden (z. B. Bau des Hubschraubers, Nachtsichtbrille, Ausleuchtung des Landeplatzes). Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis es üblich sein wird nach einem Notruf nicht auf das Martinshorn zu lauschen, sondern den Himmel abzusuchen.
Foto: Drohne mit AED; Copyright: panthermedia.net/chesky_w

Eine solche Drohne könnte schon bald Defibrillatoren für Erste-Hilfe-Einsätze transportieren; © panthermedia.net/ chesky_w

Unbemannte Hilfe aus der Luft

Eine andere Art der "Luftrettung" haben hingegen Mitarbeiter von definetz e.V. und der Firma Height Tech im Sinn. Eine Drohne, ein sogenannter Oktokopter, soll über eine App zu Notfällen hinzugerufen werden können, um mit einem Minifallschirm einen Laiendefibrillator (AED = Automatisierter Externer Defibrillator) abzuwerfen. Ersthelfer könnten so Personen zur Hilfe eilen, noch bevor der Rettungsdienst eintrifft. Noch ist jedoch nicht geklärt, ob die Drohnen in naher Zukunft wirklich starten können. Derzeit ist es laut Luftfahrtbundesamt verboten, autonom fliegende Drohnen auszuschicken, und auch Nachtflüge könnten zum Problem werden - zum Beispiel könnte der Defibrillator in der Dunkelheit verloren gehen. Auch Gegenden mit dichtem Baumbestand sind für diese Art der Ersthilfe unter Umständen problematisch.

In bebauten Gebieten empfiehlt es sich eher, den Bestand fester AEDs zu erhöhen. In öffentlichen Gebäuden wie Bahnhöfen oder Flughäfen sind sie mittlerweil zu finden, auch viele Firmen mieten sich einen eigenen Defibrillator. Damit der Standort eines öffentlichen Defibrillators für jeden weltweit sofort zu erfassen ist, wurde vom International Liaison Committee on Resuscitation ein spezielles Zeichen entwickelt, das klar den Weg weist und den Standort anzeigt. Dass der Einsatz von AEDs sich lohnt, konnte bereits 2007 in einer US-amerikanischen Studie nachgewiesen werden. Ein Ausbau des AED-Netzes scheint deshalb sinnvoll.
Foto: Simone Ernst; Copyright: B. Frommann

© B. Frommann

Der Artikel wurde geschrieben von Simone Ernst.
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